Ein Schwimmseminar nur für Frauen – das Angebot des Bayerischen Triathlon-Verbandes nahmen zahlreiche Sportler*innen an. Am Samstag nun geht es ins Becken. Am Rand wird Julia Seibt stehen. Sie ist hauptberuflicher Coach. Sie unterstützt Sportlerinnen und Sportler dabei, Ziele zu erreichen. Doch warum braucht es dazu spezielle Angebote für Frauen? Wir haben uns mit ihr unterhalten.
Hallo Julia,
am Samstag betreust Du ein Schwimmseminar nur für Frauen des Bayerischen Triathlon-Verbandes. Weshalb denkst Du, ist solch ein Angebot wichtig?
Ganz in mir drin glaube ich, dass wir solche Angebote eigentlich gar nicht brauchen, weil wir vor allem im Triathlon so viele Powerfrauen haben. Leider sind sie trotzdem manchmal nicht selbstbewusst genug und stehen zu ihrem Können. Deswegen denke ich, dass viele Frauen nicht zu einem Seminar gemeinsam mit Männern gehen würden, weil Frau ja vielleicht zu schlecht dafür ist. Und da sind wir an dem Punkt, wo wir dann tatsächlich Veranstaltungen nur für Frauen brauchen! Damit sich einfach mehr Frauen trauen, an Seminaren und Weiterbildungen teilzunehmen, ohne Angst davor haben zu müssen, im Vergleich zu Männern schlecht dazustehen. Dazu gibt es meiner Meinung nach aber gar keinen Grund, also hier an alle Frauen: Traut euch da auch einfach mal mehr zu!
An der Stelle aber auch noch eine kleine Anmerkung nebenbei, und ich glaube, weil ich eine Frau bin, darf ich das auch sagen: Seminare nur für Männer wären auch eine gute Idee. Ich kann mir nämlich auch vorstellen, dass sich viele Männer nicht trauen in ein gemischtes Seminar zu gehen, weil man eventuell schlechter sein könnte als teilnehmende Frauen.
Schwimmen ist für Triathletinnen und Triathleten oft die ungeliebte Disziplin. Wie lässt sich das aus deiner Sicht ändern? Woran hakt es?
Das größte Problem am Schwimmen ist, dass die meisten Altersklassen-Athleten oder auch Quereinsteiger, die spät mit Triathlon angefangen haben, nie wirklich Schwimmen gelernt haben. Je älter man ist, desto schwieriger wird es aber das Element Wasser lieben zu lernen. Kalt, nass, ungewohnte Umgebung, das sind alles keine verlockenden Parameter. Dann kommen noch die Schwimmbedingungen dazu, die oft aus vollen Bahnen bzw. zu wenig Platz zum Schwimmen und einer langen Anfahrt und damit viel Zeitaufwand bestehen.
Wenn dann mal die Hürde genommen ist, ist das Beste, was die Sportler*innen tun können, so oft wie möglich ins Wasser zu gehen. Am besten ist da wirklich mindestens dreimal pro Woche. Je öfter man ins Wasser geht, desto besser wird das Wassergefühl, desto leichter wird es, sich im Wasser fortzubewegen. Und dann muss man einfach dran bleiben, auch wenn es am Anfang zäh ist.
Als Coach betreust Du zahlreiche Sportlerinnen und Sportler. Wie groß sind die Unterschiede in Herangehensweisen zwischen Männern und Frauen wirklich? Was ist speziell bei der Betreuung von Athletinnen zu beachten?
Natürlich ist jede Sportlerin und jeder Sportler generell unterschiedlich. Deswegen ist es schwierig, eine Aussage zu treffen, die wirklich auf alle Frauen oder alle Männer zutrifft. Es zeichnet sich aber ab, dass Frauen sehr viel betreuungsintensiver sind. Während Männer oft ihren Trainingsplan einfach nur abarbeiten, muss ich bei Frauen sehr viel mehr kommunizieren und auch viel öfter deutlich machen, dass es ok ist, wenn Einheiten mal nicht ganz rund laufen. Frauen sind viel verkopfter als Männer. Aber ich trainiere auch Frauen, die genau das Gegenteil sind, oder auch Männer, die in dem Fall ticken wie die meisten Frauen. Ich unterscheide beim Coaching nicht zwischen Geschlechtern, es sind eben alles Individuen, von denen jede Person ihren eigenen Körper, Ecken und Kanten und ihre Eigenheiten hat, da muss man als Coach einfach individuell agieren.
Du hast dich schon in deiner Jugend als Trainerin engagiert. Welche Lichtseiten hat der Beruf, welche Schattenseiten?
Für mich hat der Beruf Trainerin keine Schattenseiten – ich wollte schon immer Trainerin sein und bin schon früh eingestiegen. Klar läuft man als junges Mädel, bei einem vor allem durch Männer dominierten Beruf (vor allem im Triathlon), ab und zu gegen Wände, aber ich habe alles immer als Herausforderung gesehen und bin daran gewachsen. Ohne manch dämlichen Kommentar oder Seitenhiebe, die ich einstecken musste, wäre ich jetzt vielleicht nicht die Trainerin, die ich heute bin. Triathlontrainerin sein, ist so abwechslungsreich und fordernd, da ist jeder Tag anders und man kann sich als Mensch immer weiterentwickeln. Was manche vielleicht als Schattenseite sehen würden, ich aber nicht tue, ist, dass es eben ein Fulltime-Job ist. Coach sein kann man nicht einfach so abstellen, ich zumindest nicht, ich bin immer mit einem kleinen Teil von meinem Kopf bei meinen Sportlern.
Als Landestrainerin betreutest du schon acht Jahre lang Nachwuchs. Welchen Tipp würdest du Trainerinnen und Trainern mit auf den Weg geben, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche zum Sport zu bringen und dort zu halten?
Als Trainer*in im Kinder und Jugendbereich ist es ganz wichtig, den Kids Spaß an der Sportart zu vermitteln und nicht schon zu früh zu viel zu wollen, auch wenn ein Kind sehr talentiert ist. Da muss man auch ganz vorsichtig sein bei übermotivierten Eltern, die ihre Kinder mehr oder weniger zum Sport zwingen. Das kann gut gehen, meist tut es das aber nicht. Deswegen sollte man die Kinder unterstützen, wenn man merkt, dass das Kind nur den Sport macht, weil die Eltern es möchten.
Dann ist vor allem eine vielseitige allgemeine Grundausbildung wichtig. Also nicht alles nur auf Schwimmen, Rennradfahren und Laufen beschränken. Es gibt so viele Möglichkeiten, die Kids sportlich nach vorne zu bringen. Das reine Triathlontraining kommt noch früh genug und wenn von Anfang an Freude dabei ist, kommt auch der Erfolg. Mit dem Erfolg bleiben die meisten dann auch lange unserer schönen Sportart treu.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview ist Teil des Adventskalenders 2022. Mehr starke Frauen gibt es dort.
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Ina Al-Sultan: Kindern eine Alternative bieten
SchulsportHallo Ina,
Im BTV bist du für den Bereich Schultriathlon zuständig. Triathlon in der Schule – wie kann das denn klappen?
Es geht im Schulsport selbstverständlich nicht um Leistungs- oder gar Ironmantraining, sondern darum den Schülern technische Grundfertigkeiten, Schwimmen, Radbeherrschung, Lauftechnik und Wechseln beizubringen und das Ganze natürlich möglichst spielerisch.
Erstmalig gab es im Herbst eine Trainer-Ausbildung für Lehrerinnen und Lehrer. Was erhoffst Du Dir dadurch?
Die Lehrer sollen zum einen mehr Rüstzeug an die Hand bekommen, um eine Triathlon-AG sicher und abwechslungsreich gestalten zu können, zum anderen motiviert werden um Triathlon-Sportarbeitsgemeinschaften in Kooperation mit Vereinen anzubieten und um sich zu vernetzen.
Du bist selbst Lehrerin – wie nimmst Du Schulsport wahr? Wo gibt es Verbesserungsbedarf?
Zum einen sind wir an vielen Schulen materiell gut ausgestattet, aber leider gibt es immer wieder Probleme mit der Infrastruktur. Schulbäder sind zwar vorhanden, aber nicht nutzbar oder die Schulen sind so stark belegt, dass wir im Winter schlichtweg nicht genug Hallenplätze haben. Bei den Schülern besteht die Problematik, dass die jüngeren Altersstufen meist noch sehr sportbegeistert und wettkampfaffin sind, wir aber ab der Mittelstufe oft Motivationsschwierigkeiten feststellen. Auch im Kollegium wird die Bedeutung des Sportunterrichts als Impulsgeber für das Sporttreiben als wichtiger Bestandteil zur Gesunderhaltung des Menschen oft unterschätzt.
Nicht selten hängt der Erfolg des Schulsports vom Engagement des Lehrers oder der Lehrerin ab. Besonders gut kann man das im Rahmen der Aktion „Jugend trainiert für Olympia“ sehen. Warum lohnt sich der oft zusätzliche Einsatz für dich?
Es macht mir natürlich große Freude, Kinder für Sport im allgemeinen, besonders aber für den Triathlonsport, den ich selbst und meine Familie so lieben, zu begeistern und Kindern eine Alternative zu anderen Sportarten aber noch wichtiger zum Computerspielen zu bieten.
Wie kamst du selbst zum Triathlon und wie beeinflusst das deine Arbeit heute?
Ich habe schon sehr früh mit der Leichtathletik begonnen und mein Vater war schon ein sportbegeisterter Lehrer, der unter anderem den Nibelungentriathlon in meiner Heimatstadt Xanten aus der Taufe gehoben hat. Da war der Schritt zum Triathlon einfach.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview ist Teil des Adventskalenders 2022. Mehr starke Frauen gibt es dort.
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Foto: privat
BTV Memmert Nachwuchscup und Meisterschaften für die Youngstars
Jugendsport, NachwuchscupDer BTV Memmert Nachwuchscup kommt auch 2023 zurück – so vielfältig wie lange nicht. Bei vier Swim & Run-, zwei Crossduathlon- und fünf Triathlonrennen können sich Schüler*innen und Jugendliche messen. Dabei soll es vor allem um den Spaß am Sport gehen. Die Serienwertung kann ein Ziel für die Ambitionierten sein, ebenso sind aber auch Neueinsteiger*innen eingeladen, sich auszuprobieren.
Auch für Jüngere
2023 wird auch für die jüngere Schüler-Klasse B eine kleine Serienwertung angeboten. Dafür fallen die Läufe der Junioren weg, die in den letzten Jahren nur noch wenig Zulauf hatten. Das Ziel: Möglichst viele Kinder und Jugendliche für die Rennen zu begeistern.
Für die Ambitionierten aller Klassen gibt es das BM-Rennen Crossduathlon in Deining. Organisator Harald Kaunz freut sich auf das sportliche Highlight, in dessem Rahmen die Cross-Duathlon Nachwuchs-Meistertitel vergeben werden. Für Schüler A, Jugend A und Jugend B wird die Bayerische Meisterschaft im Triathlon in einer Serienwertung vergeben.
Mit in der Serie sind auch wieder Team-Rennen, die jedoch nicht in die Wertung einfließen, statdessen zum gemeinsamen Sport-Spaß einladen.
Hauptsponsor weiterhin dabei
Mit Memmert ist weiterhin auch der Namensgeber und Hauptsponsor der Nachwuchs-Serie engagiert. „Wir freuen uns sehr über diese Unterstützung, die dem Nachwuchssport in Bayern hilft“, sagt Vizepräsident Leistungssport, Thomas Burger. In diesem Jahr soll mit Hilfe der Unterstützung das Rahmenprogramm des Cups organisiert werden, das die Anreise zu den oft nur kurzen Rennen noch attraktiver macht.
Alle Informationen und die Durchführungsbestimmungen mit wichtigen Regeln findest Du hier.
Die Termine
Foto: Heiko Trurnit
Ulla Chwalisz: Mit Begeisterung für Triathlon-Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Breitensport, OberbayernMehr Frauen zum Triathlon animieren – dieses Ziel verfolgt Ulla Chwalisz unter anderem als Beauftragte für Sportentwicklung der DTU. Die Münchenerin ist auch darüber hinaus engagiert: Bis 2020 war sie Vizepräsidentin des BTV, heute ist sie im Bezirk Oberbayern stark aktiv, als Kampfrichterin besucht und begleitet sie zahlreiche Rennen im Jahr. Neben all der ehrenamtlichen Arbeit ist sie selbst sportlich – und dort auch erfolgreich. 2019 war sie beispielsweise Deutsche Vize-Meisterin auf der Olympischen Distanz. Ihre Erfahrungen im Sport gibt sie besonders gerne an Einsteiger*innen in Workshops weiter. Wir haben sie nach ihren Erfahrungen gefragt.
Hallo Ulla,
Bei der DTU setzt Du dich im Bereich Sportentwicklung vor allem auch für die Etablierung des „Familienfreundlichen Triathlons“ ein. Was steckt dahinter und warum lohnt es sich, sich für dieses Label zu bewerben?
Hallo Christine, vielen Dank, dass ich ein bisschen über den bunten Strauß an Themen berichten kann, die ich als Referentin für Sportentwicklung betreuen darf. Eins davon ist die Stärkung von insbesondere Breitensportveranstaltungen im Triathlon oder Duathlon in Deutschland. Viele Events richten ihr Rennformat speziell auf Freizeitathlet*innen und Einsteiger*innen aus, in dem sie z.B. Spielangebote für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren machen. Durch eine pädagogisch geschulte Aufsicht können die Eltern beruhigt an den Start gehen. Das Label kommt auf allen Werbematerialien des Events zum Einsatz; seit diesem Jahr bietet die DTU sogar Beachflags als Leihgabe an. Zusammen mit dem Veranstalter werten wir danach den Zuspruch aus und überlegen, wie seine Zugkraft verbessert werden kann. Wir haben das Label dieses Jahr in vier Landesverbänden eingesetzt und hoffen sehr, dass im nächsten Jahr noch mehr Events das Besondere ihrer Rennen dadurch herausstellen wollen.
Du bist selbst aktive Triathletin. Was sind Deine Erfahrungen im Training und im Rennen: Wo gibt es Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten bei Triathletinnen und Triathleten?
Als typisch Spätberufene im Triathlon ist es für mich wichtig, meine Trainingszeit so effektiv wie möglich zu nutzen. Heißt: keine Selbstversuche, keine unnützen Spielsachen, keine Saison ohne Ziele. Nach meiner Erfahrung geht es vielen erwachsenen Einsteiger*innen so. Aus dieser Beobachtung heraus sind die Einsteiger-Workshops entstanden, die sich gezielt mit entsprechend ausgebildeten Trainer*innen an diese Zielgruppe richten. Du fragst nach Unterschieden zwischen Männern und Frauen – ich sehe diese eher in den jeweiligen Lebensphasen, in denen jeder Mensch andere Ansprüche entwickelt. Wir können uns doch nur darüber freuen, dass Menschen jeden Alters neue Sportarten erlernen wollen – was man deutlich in den Ergebnislisten der Events sieht.
Was sind deine Ziele sportlich und in deinen Ehrenämtern?
Vor fast einem Jahr habe ich mir eine Korrektur des linken Knies gegönnt und darf es nach langer Erholungszeit endlich wieder normal belasten. Ein mühsames Geschäft, da natürlich auch der restliche Körper eine Aus-Zeit genommen hat. Während des milden Herbstes habe ich mich bei paar Läufen getestet und die Ergebnisse stimmen mich doch zuversichtlich. Nächstes Jahr stehen wieder Triathlons auf der Agenda und so bleibt die Motivation hoch, die Plätzchendose weit weg zu schieben.
Seit ich im Vorstand des Bezirks Oberbayern bin, widme ich mich vor allem saisonal aktuellen Themen in unserem Umfeld. Wir betreuen fast 120 Vereine mit über 1400 Startpässen und 26 Events. Da die Veranstalter zurecht professionell ausgebildete und erfahrene Kampfrichter*innen erwarten, findet im März wieder die Neuausbildung statt. Entscheidend für den Erhalt und die Weiterentwicklung des vielseitigen und hochwertigen Wettkampfkalenders ist die gute Zusammenarbeit unter den Bezirken und mit dem BTV-Präsidium.
Vielleicht darf ich zum Anschluss noch ein Herzensprojekt von mir ansprechen. Beim Verbandstag der DTU dieses Jahr konnte ich ankündigen, dass der Startschuss zur Planung einer geschichtlichen Präsentation unseres Sports in Deutschland erfolgt ist. Als junge und innovative Sportart wollen wir heute schon die Begeisterung für unsere Geschichte, Gegenwart und Zukunft hochhalten. Um umfassend alle Aspekte des Sammelns und Archivierens von Materialien und Medien kennenzulernen und auf den Weg zu bringen, konnte das Team von Birke & Partner als Partner für History Marketing gewonnen werden. Die Idee eines Triathleum-Mobils sowie einer digitalen, interaktiven Präsentationsplattform nimmt nach und nach Gestalt an. Auch dieses schöne Thema findet in meiner Freizeit statt und es würde mich riesig freuen, wenn sich noch viele Begeisterte finden, die Martin Engelhardt und mich darin unterstützen.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview ist Teil des Adventskalenders 2022. Mehr starke Frauen gibt es dort.
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Foto: privat
DTU-Startpass-App ab sofort verfügbar
Nachrichten des BTVDie App der Deutschen Triathlon Union (DTU) ist ab sofort unter dem Namen TriathlonD im Google-Play-Store beziehungsweise im App Store verfügbar.
Mit der TriathlonD-App haben Startpassinhaberinnen und Startpassinhaber die Möglichkeit, ihren Startpass digital zu erhalten. Die Startpass-Kontrolle am Veranstaltungsort ist nun auch über die App möglich.
Athletinnen beziehungsweise Athleten können sich mit ihren Phoenix-Zugangsdaten in die App einloggen und ihre Startpassdaten einsehen.
Die Startpässe aller Startpassinhaberinnen und Startpassinhaber (egal ob Verlängerung oder Neubeantragung) wurden aus Gründen der Nachhaltigkeit zum 1. Dezember 2022 automatisch auf die digitale Version umgestellt. Athletinnen und Athleten, die weiterhin die Plastikkarte erhalten möchten, müssen dies in ihrem Phoenix-Account daher selbst bis zum 31.12.2022 anpassen. Bei einer Neubeantragung muss nach der Beantragung entsprechend ebenfalls die Plastikkarte aktiv ausgewählt werden, wenn gewünscht.
Weitere Informationen zur Beantragung des DTU-Startpasses sind hier zu finden.
Text und Bild: DTU
Petra Wimbersky: „In erste Linie geht es mir um den Spaß am Sport“
Breitensport, SportentwicklungEinzelkämpfer statt Teamplayer, drei Sportarten satt einer. Petra Wimbersky ist ehemalige Profi-Fußballerin und hat eine stolze Titelsammlung in ihrer Vita stehen: Weltmeisterin, zweifache Europameisterin, Bronzemedaillen-Gewinnerin bei den Olympischen Spielen, zweifache „UEFA Women’s Cup“-Siegerin sowie vierfache Deutsche Meisterin und sechsfache DFB-Pokal-Siegerin. Die gebürtige Münchnerin hat unter anderem für den FC Bayern München gespielt. Nach einer schweren Verletzung musste sie ihre Profi-Karriere beenden. Sport sagte sie dennoch nicht Ade.
Hallo Petra,
Aus dem Ballsport zum Dreisport – ein ungewöhnlicher Wandel. Wie bist Du zum Triathlon gekommen und was fasziniert Dich dabei?
Schon während meiner Fußballkarriere hatte ich den Plan im Hinterkopf, einmal einen Triathlon und einen Marathon zu absolvieren. Die Herausforderung, drei Disziplinen am Stück zu absolvieren, hat mich gereizt. Dass es dann am Ende sogar ein Ironman wurde, das hatte ich so nicht geplant. Eine Langdistanz ist körperlich und auch mental eine riesige Herausforderung. Es fasziniert mich immer wieder, was der eigene Körper imstande ist zu leisten.
Schon als Kind warst du im Schwimmverein – und hast damit früh die Grundlage für die bei den meisten Triathleten verhasste erste Disziplin des Sports gelegt. Wann hast du den Weg zum Profisport Fußball eingeschlagen?
Das Schwimmen und Fußballspielen liefen lange parallel. Im Alter von 14 Jahren habe ich den Spaß am Schwimmen verloren und dann nur noch Fußball gespielt. Zu dem Zeitpunkt war mir allerdings nicht klar, dass ich irgendwann mein Geld mit dem Sport verdienen werde. Das hat sich dann im Laufe der Zeit einfach so entwickelt.
Welche großen Unterschiede siehst Du zwischen Teamsport, Fußball und Einzelsport Triathlon?
Auf der einen Seite spielt beim Triathlon in meinen Augen die intrinsische Motivation eine große Rolle. Auch, wenn man die ein oder andere Radausfahrt oder Laufrunde mit Freunden dreht, treibt man häufiger auch mal alleine Sport. Beim Teamsport ist es genau andersherum. Da können die Teamkollegen einen auch mal mitziehen, wenn die Motivation fehlen sollte. Auf der anderen Seite hat man als Einzelsportler den Vorteil, selbst festzulegen, wann und wo man trainieren möchte und ist nicht von anderen abhängig.
Was sind Deine Ziele im Triathlon?
In erste Linie geht es mir um den Spaß am Sport und der Bewegung.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview ist Teil des Adventskalenders 2022. Mehr starke Frauen gibt es dort.
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Foto: privat
Ana Jardon Alvarez: Im MTV München engagiert und zu Hause
Breitensport, Vereine„Das Motto des MTV München ist gezielt eine breitensportliche Ausrichtung. Breitensport bedeutet nicht, dass wir kein wettkampf- und leistungsorientiertes Training bieten, ganz im Gegenteil. Aber wir wollen jedem die Möglichkeit zum Einstieg in diesen wundervollen Sport geben – jedem nach seinen Möglichkeiten“, erklärt der sportliche Leiter Stefan Duschek. Diese Herangehensweise zieht viele Mitglieder an. vor allem Frauen.
„Ich kann mich selbst noch erinnern, welche abschreckenden Leistungshürden mir vor Jahren bei der Vereinssuche in den Weg gestellt wurden. Schwimmzeiten oder Paces als Aufnahmekriterium gibt es bei uns nicht. Dafür aber jede Menge Spaß und Teamgeist“, berichtet Stefan Duschek und fährt fort: „Dieser zwanglose und nicht krampfhaft auf Leistung ausgelegte Ansatz ist vielleicht auch der Grund, warum wir einen Frauenanteil von 60% haben. Bei uns gibt es keinen Grund, Berührungsängste mit Triathlon haben zu müssen.“
Wir haben uns mit Ana unterhalten, die berichtet, wie die Gemeinschaft im Verein für sie ist.
Hallo Ana,
Du bist Mutter von zwei kleinen Kindern, arbeitest als Internistin in einer niedergelassenen Praxis und machst aktuell die Fortbildung zur Sportmedizinerin – wie schaffst du es, neben solch einem Mammutprogramm gleich drei Sportarten zu trainieren?
Das frage ich mich manchmal auch… ich denke, wenn man etwas wirklich will, dann schafft man mehr als man gedacht hätte. Ich nütze Lücken im Alltag, binde die Kinder mit ein (sie radeln mit, wenn ich laufe, ich schwimme, während sie beim Schwimmkurs sind..) und ehrlicherweise habe ich einfach viel Unterstützung von meinem Mann und meinen Eltern.
Im Verein hältst du darüber hinaus eine Vortragsserie zu verschiedenen medizinischen Themen, z.B. Sport nach Corona, Einführung in die Leistungsdiagnostik u.s.w. Was gefällt dir besonders an dem Engagement im Verein?
Sportvereine sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft, vor allem für Kinder und Jugendliche. Deswegen finde ich es gut, einen Verein zu unterstützen. Meine Kinder sind im selben Verein beim Turnen und beim Klettern. Unabhängig davon haben wir bei uns in der MTV Triathlonabteilung sehr nette Leute und der Austausch und das gemeinsame Sporteln machen Spaß. Da bringt man sich gerne ein.
Auch dein Wettkampfkalender ist voll: dieses Jahr hast du gleich mehrere Triathlons bestritten, darunter deine erste Olympische Distanz und zwei Marathons in nur wenigen Wochen Abstand. Wie hat es dir gefallen?
Herrlich war’s! Meine eigenen Grenzen zu sprengen, ist ein tolles Gefühl. Nach jedem Wettkampf denke ich als Erstes: „Das will ich nochmal!“
Du trainierst oft in den frühen Morgenstunden, weil es organisatorisch nicht anders machbar ist. Hand auf’s Herz – bist du nie müde oder lustlos?
Absolut ja! Ich schlafe häufig schon um 20 Uhr ein. Der Vorteil ist, der Sport ist und bleibt ein Hobby. Wenn es mal keinen Spaß macht, dann kann ich es auch sein lassen.
Welche Strategie würdest du anderen Sportlerinnen empfehlen, die sich überlegen sportlich zu engagieren?
Traut euch und lasst nicht einschüchtern! Ich denke, Vereine freuen sich immer über Engagement – einfach fragen lohnt sich. Wer in München wohnt, kann gerne bei uns im MTV vorbeischauen! Ich wirke bei einer online Community mit, „Fräulein Triathlon“, da geht es darum, dass sich Frauen im Triathlon gegenseitig motivieren, fordern und unterstützen. So eine Plattform kann auch ein guter erster Schritt für ein Engagement sein.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview ist Teil des Adventskalenders 2022. Mehr starke Frauen gibt es dort.
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Teresa Knoll: „Ich sehe kaum Unterschiede“
JugendsportTeresa Knoll betreut den Landeskader 2 im Bayerischen Triathlon-Verband. Sie führt die Kinder und Jugendlichen an ambitioniertere Ziele heran und vermittelt dabei vor allem die Freude am Sport. Wir haben uns mit ihr unterhalten.
Hallo Teresa,
Du bist seit Jahren im Nachwuchssport aktiv. Was ist deine Aufgabe beim Bayerischen Triathlon-Verband und wie kamst du dazu?
Ich bin als Landestrainerin für den Landeskader 2 zuständig. Das heißt, für die meist jüngeren Kids der Schüler A und Jugend B sowie ältere Quereinsteiger. Neben der Durchführung von regelmäßigen Lehrgängen mit dem Landekader 2, gehört die Sichtung von neuen Talenten zu meinen Hauptaufgaben.
Ich bin durch dazu gekommen, als klar wurde, dass es eine Gruppe zwischen dem LK1 und dem Jugendsport geben muss, um die jüngeren Kids etwas früher aber mit viel Spaß an den Leistungssport heranzuführen. Da ich zu dem Zeitpunkt gerade nach einer neuen Herausforderung als Triathlontrainerin im Nachwuchsbereich suchte – ohne mich dabei fix an einen Ort oder Verein zu binden – war das vor über sechs Jahren ein wirklich glücklicher Zufall.
Als Trainerin des LK2 bekommst du viel von den Kindern mit. Was ist besonders bei den Mädchen die Motivation zum Sport, warum steigen dennoch viele im Jugendalter aus?
Ich glaube, dass es in der Motivation grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Jungs und Mädchen gibt. Beide Geschlechter haben einfach den Ehrgeiz sich sportlich zu vergleichen und sich durch Training soweit zu verbessern, dass sie eben der Beste/ die Beste werden. Diese intrinisische Motivation ist auch das Wichtigste, um langfristig dabei zu bleiben.
Allerdings ist es ebenso so, dass ab der Jugend A die Distanzen länger werden, und damit das Training deutlich gesteigert werden muss. Das trifft bei den Mädchen meist auf die Zeit, wo durch die Pubertät die meisten körperlichen Änderungen geschehen und das macht das Training komplexer und erfordert nochmal ein ganz anderes Maß an Durchhaltevermögen. Dieses Durchhaltevermögen macht dann am Ende meist den Unterschied zu denen, die diesen Aufwand (durchaus verständlicherweise) nicht mehr betreiben wollen oder können. Es gibt aber auch immer einige Jungs, die zu diesem Zeitpunkt andere Prioritäten setzten. Das heißt, so groß ist der Unterschied dann am Ende gar nicht.
Vor fünf Jahren war es z.B. so, dass im Juniorinnenbereich die nationalen Wettkämpfe sehr schwach mit 15 Starterinnen besetzt waren – wohingegen die Junioren Starterfelder von 40 oder mehr Athleten hatten. Im Jahr 2022 ist dieser Unterschied schon deutlich geringer: bis zu 30 Starterinnen zeichnen sich im Juniorinnen-Bereich ab. Es freut mich, dass also die Unterschiede deutlich abnehmen.
Trotzdem gebe ich den Jugendlichen immer mit auf den Weg, dass es eben nicht jede/r zum Leistungssportler schaffen kann, sondern es einfach wichtig ist, dass sie Spaß an Bewegung haben und dies ihr Leben lang behalten sollen. Und die Tür zum Leistungssport schließt sich ja vielleicht auch nicht für immer, sondern man kann ja später immer noch einen Versuch starten, ob man nicht einen Fuß in die Tür bekommt. Viele ermuntere ich auch, sich als Trainer auszuprobieren – hier hoffe ich, dass wir in den nächsten Jahren auch noch mehr weibliche Triathlontrainer in den Vereinen und im Verband bekommen.
Bist du selbst auch sportlich aktiv?
Ich mache noch alle drei Sportarten – also Schwimmen, Radfahren, aber v.a. eher Offroad mit dem Gravelbike sowie natürlich Laufen. Ich bin aber auch viel Outdoor unterwegs z.B. beim Langlaufen oder Wandern. Nur auf Wettkämpfe habe ich, zumindest derzeit, wenig Lust – auch weil ich dann das Ganze mit mehr Ernsthaftigkeit verfolgen müsste 🙂
Oft vermittelst du zwischen Breiten- und Leistungssport: Kinder kommen aus den Vereinen zu dir und wachsen in den Leistungssport hinein. Welche Unterstützung brauchen Kinder und Jugendliche dann?
Ich passe das Training individuell an die entsprechenden Fähigkeiten und/oder die erforderliche Wettkampfdistanz an – dadurch habe ich während des Trainings oftmals Geschlecht-gemischte Untergruppen. Auch zwischen Leistungs- und Breitensport sehe ich im Bereich der Schüler A und ersten Jugend Jahre noch einen großen fließenden Übergang. D.h. der Sprung vom Breitensport zum Leistungssport ist relativ klein – das ist ja auch im Vereinstraining gar nicht anders zu handhaben. Dort haben die Trainer ja selten eine so homogene Trainingsgruppe oder eben 3-4 Untergruppen wie ich bei meinen Lehrgängen.
Wichtig ist mir hier nochmal zu betonen, dass man keinesfalls das Erwachsenentraining auf Kinder- und Jugendtraining runter brechen kann, sondern vielseitiges, altersgerechtes Training mit einem hohen Spaßfaktor anbieten sollte – Ernst wird es früh genug ;). Dabei sollte v.a. das Schwimmen fokussiert werden, da das Schwimmen später einfach schwieriger zu erlernen ist, aber gleichzeitig die Grundvoraussetzung für eine solide Leistung im Triathlon ist.
Was macht dir an der Arbeit besonders Spaß?
Ich finde es einfach schön, die Kids am Anfang ihrer sportlichen Entwicklung zu begleiten und verfolge sie und ihre Entwicklung dann natürlich auch weiterhin. Das schönste ist für mich, wenn sich Sportler Jahre später an mich wenden und sich bedanken, dass ich sie eben auf ihrem Weg motiviert und unterstützt habe.
Vielen Dank für das Interview!
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Foto: Carla Nagel
In Schweinfurt startet wieder der ZF-MainCityTriathlon
VeranstaltungenNach der erfolgreichen Premiere der Doppelveranstaltung in diesem Jahr, laufen die Vorbereitungen des Orga-Teams der Abteilung Laufen-Triathlon der TG 48 Schweinfurt für seine zweite Auflage auf Hochtouren. Am 20. und 21. Mai 2023 sind wieder Läufer und Triathletinnen eingeladen, sich am Schweinfurter Baggersee zum teilnehmergrößten Sportereignis der Region zu treffen.
Das Streckenangebot beim AOK-MainCityRun am Samstag, dem 20. Mai, mit Start und Ziel am Schweinfurter Baggersee, ist vielfältig. Mit dem Bambinilauf für die Kleinsten, den beliebten Schülerläufen über ein und drei Kilometer, dem gefragten Firmenlauf über fünf Kilometer und den 10 und 21 Kilometer langen Strecken für die ambitionierteren Läuferinnen und Läufer werden alle angesprochen, die Spaß an einem gemeinsamen Lauferlebnis haben wollen: Familien, Firmen, Schulen, Behörden, Vereine.
Am Sonntag, den 21. Mai, fällt dann zum zweiten Mal der Startschuss zum ZF-MainCityTriathlon. Es werden wieder bis zu 300 Athletinnen und Athleten erwartet, die sich vielleicht überhaupt erstmalig auf der Sprintstrecke an einen Triathlon wagen oder aber die Saison mit einer frühen Teilnahme an einer Olympischen Distanz einläuten.
Para-Triathleten und Special Olympics Sportlerinnen am Start
Angeregt durch die Teilnahme einzelner Sportler mit Einschränkung am Triathlon in diesem Jahr und dem Grundverständnis der Organisatoren folgend, eine Sportveranstaltung für alle zu ermöglichen, wird es im nächsten Jahr Wertungen sowohl für Triathleten mit körperlicher Einschränkung als auch für Läufer und Triathletinnen mit geistiger Einschränkung geben. Erste Anmeldungen sind eingegangen, so dass auch diese Athletinnen und Athleten für ihre Siege und Platzierungen auf der Bühne geehrt werden.
Starke Partner für ein großes Event
Ermöglicht wird diese Sportveranstaltung durch die Stadt Schweinfurt, das Landratsamt, die Gemeinden und ihre Feuerwehren und die Sponsoren. Wieder an Bord sind die zwei Hauptsponsoren und Namensgeber, der Schweinfurter Technologiekonzern ZF und die AOK Schweinfurt, die hier stellvertretend für alle Unterstützer genannt werden.
Für alle Wettkämpfe kann man sich auf der Homepage www.laufen-triathlon.de anmelden. Dort sind auch alle Informationen zu den Strecken, Startzeiten und Wertungen zu finden.
Fotos: Benno Vollert und Emilia Huhn
Anabel Knoll: „Oft ist es gut, neben dem Sport einen Ausgleich zu haben“
LeistungssportDurchsetzungskraft, Geduld und einen langen Atem. Wer als Profisportlerin erfolgreich sein will, muss das und viel mehr beweisen. Anabel Knoll hat längst gezeigt, dass sie alle Qualitäten einer Weltklassesportlerin hat. Ihr größter Erfolg: Der Start bei den Olympischen Spielen 2021. In diesem Jahr schaffte sie unter anderem bei den Arena Games in München den Sprung auf das Podium.
Doch wie ist es, sich voll auf den Sport zu konzentrieren? Wir haben Anabel Knoll gefragt.
Hallo Anabel,
dein Name findet sich noch gar nicht so lang in Triathlon-Ergebnislisten. Wann hast du dich dazu entschlossen in den Sport einzusteigen und was bewog dich dazu?
Ich habe mich eigentlich gar nicht bewusst dafür entschieden, sondern bin eher hineingerutscht. Ich war dann nicht allzu schlecht und habe weitergemacht.
Leistungssport bedeutet oft völlige Konzentration auf eine Sache. Wie hältst du das durch? Was motiviert dich, wenn es schwer ist?
Oft ist es gut, neben dem Sport noch einen Ausgleich zu haben. Für mich ist das mein Studium der Biologie. Dort kann ich auch mal abschalten und das Erlebte verdauen. Motivation ist bei mir oft gar kein Problem, sondern kommt wie von selbst dadurch, dass ich Spaß an dem habe, was ich mache. Das, denke ich, ist auch das Wichtigste, da man nur das gut und motiviert tut, was man gerne macht.
Im Triathlon erhalten Frauen und Männer das gleiche Preisgeld. Die Medienpräsenz der Frauen hat sich in den vergangenen Jahren erhöht, ist jedoch sicher noch nicht ausgeglichen. Wie empfindest du die Position von Profi-Frauen? Was läuft schon gut, wo braucht es noch Arbeit?
Ich glaube, dass es im Kurzdistanz-Triathlon keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern mehr gibt. Wir bekommen das gleiche Geld, die gleiche Fernsehzeit und auch die gleiche Wertschätzung und Achtung. Ich glaube, dort gibt es wirklich nichts mehr zu verbessern.
Was beschäftigt dich neben dem Sport?
Neben dem Sport ist das Thema Klima, Natur- und Tierschutz ein großes Thema für mich. Ich studiere nicht nur etwas in die Richtung, sondern setze mich auch dort ein, wie z.B. als Teil des NABU.
Welche Ziele hast du dir im Sport gesetzt, welche daneben?
Ich versuche mir meist keine Ziele zu setzen, sondern einfach mein Möglichstes zu geben und im Idealfall immer besser zu werden. Ich finde, dass Ziele einen oft abhalten, da man bei einem Rückschlag dann demotiviert wird.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview ist Teil des Adventskalenders 2022. Mehr starke Frauen gibt es dort.
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Foto: Carla Nagel
Julia Seibt: „Traut euch mehr zu!“
GleichstellungEin Schwimmseminar nur für Frauen – das Angebot des Bayerischen Triathlon-Verbandes nahmen zahlreiche Sportler*innen an. Am Samstag nun geht es ins Becken. Am Rand wird Julia Seibt stehen. Sie ist hauptberuflicher Coach. Sie unterstützt Sportlerinnen und Sportler dabei, Ziele zu erreichen. Doch warum braucht es dazu spezielle Angebote für Frauen? Wir haben uns mit ihr unterhalten.
Hallo Julia,
am Samstag betreust Du ein Schwimmseminar nur für Frauen des Bayerischen Triathlon-Verbandes. Weshalb denkst Du, ist solch ein Angebot wichtig?
Ganz in mir drin glaube ich, dass wir solche Angebote eigentlich gar nicht brauchen, weil wir vor allem im Triathlon so viele Powerfrauen haben. Leider sind sie trotzdem manchmal nicht selbstbewusst genug und stehen zu ihrem Können. Deswegen denke ich, dass viele Frauen nicht zu einem Seminar gemeinsam mit Männern gehen würden, weil Frau ja vielleicht zu schlecht dafür ist. Und da sind wir an dem Punkt, wo wir dann tatsächlich Veranstaltungen nur für Frauen brauchen! Damit sich einfach mehr Frauen trauen, an Seminaren und Weiterbildungen teilzunehmen, ohne Angst davor haben zu müssen, im Vergleich zu Männern schlecht dazustehen. Dazu gibt es meiner Meinung nach aber gar keinen Grund, also hier an alle Frauen: Traut euch da auch einfach mal mehr zu!
An der Stelle aber auch noch eine kleine Anmerkung nebenbei, und ich glaube, weil ich eine Frau bin, darf ich das auch sagen: Seminare nur für Männer wären auch eine gute Idee. Ich kann mir nämlich auch vorstellen, dass sich viele Männer nicht trauen in ein gemischtes Seminar zu gehen, weil man eventuell schlechter sein könnte als teilnehmende Frauen.
Schwimmen ist für Triathletinnen und Triathleten oft die ungeliebte Disziplin. Wie lässt sich das aus deiner Sicht ändern? Woran hakt es?
Das größte Problem am Schwimmen ist, dass die meisten Altersklassen-Athleten oder auch Quereinsteiger, die spät mit Triathlon angefangen haben, nie wirklich Schwimmen gelernt haben. Je älter man ist, desto schwieriger wird es aber das Element Wasser lieben zu lernen. Kalt, nass, ungewohnte Umgebung, das sind alles keine verlockenden Parameter. Dann kommen noch die Schwimmbedingungen dazu, die oft aus vollen Bahnen bzw. zu wenig Platz zum Schwimmen und einer langen Anfahrt und damit viel Zeitaufwand bestehen.
Wenn dann mal die Hürde genommen ist, ist das Beste, was die Sportler*innen tun können, so oft wie möglich ins Wasser zu gehen. Am besten ist da wirklich mindestens dreimal pro Woche. Je öfter man ins Wasser geht, desto besser wird das Wassergefühl, desto leichter wird es, sich im Wasser fortzubewegen. Und dann muss man einfach dran bleiben, auch wenn es am Anfang zäh ist.
Als Coach betreust Du zahlreiche Sportlerinnen und Sportler. Wie groß sind die Unterschiede in Herangehensweisen zwischen Männern und Frauen wirklich? Was ist speziell bei der Betreuung von Athletinnen zu beachten?
Natürlich ist jede Sportlerin und jeder Sportler generell unterschiedlich. Deswegen ist es schwierig, eine Aussage zu treffen, die wirklich auf alle Frauen oder alle Männer zutrifft. Es zeichnet sich aber ab, dass Frauen sehr viel betreuungsintensiver sind. Während Männer oft ihren Trainingsplan einfach nur abarbeiten, muss ich bei Frauen sehr viel mehr kommunizieren und auch viel öfter deutlich machen, dass es ok ist, wenn Einheiten mal nicht ganz rund laufen. Frauen sind viel verkopfter als Männer. Aber ich trainiere auch Frauen, die genau das Gegenteil sind, oder auch Männer, die in dem Fall ticken wie die meisten Frauen. Ich unterscheide beim Coaching nicht zwischen Geschlechtern, es sind eben alles Individuen, von denen jede Person ihren eigenen Körper, Ecken und Kanten und ihre Eigenheiten hat, da muss man als Coach einfach individuell agieren.
Du hast dich schon in deiner Jugend als Trainerin engagiert. Welche Lichtseiten hat der Beruf, welche Schattenseiten?
Für mich hat der Beruf Trainerin keine Schattenseiten – ich wollte schon immer Trainerin sein und bin schon früh eingestiegen. Klar läuft man als junges Mädel, bei einem vor allem durch Männer dominierten Beruf (vor allem im Triathlon), ab und zu gegen Wände, aber ich habe alles immer als Herausforderung gesehen und bin daran gewachsen. Ohne manch dämlichen Kommentar oder Seitenhiebe, die ich einstecken musste, wäre ich jetzt vielleicht nicht die Trainerin, die ich heute bin. Triathlontrainerin sein, ist so abwechslungsreich und fordernd, da ist jeder Tag anders und man kann sich als Mensch immer weiterentwickeln. Was manche vielleicht als Schattenseite sehen würden, ich aber nicht tue, ist, dass es eben ein Fulltime-Job ist. Coach sein kann man nicht einfach so abstellen, ich zumindest nicht, ich bin immer mit einem kleinen Teil von meinem Kopf bei meinen Sportlern.
Als Landestrainerin betreutest du schon acht Jahre lang Nachwuchs. Welchen Tipp würdest du Trainerinnen und Trainern mit auf den Weg geben, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche zum Sport zu bringen und dort zu halten?
Als Trainer*in im Kinder und Jugendbereich ist es ganz wichtig, den Kids Spaß an der Sportart zu vermitteln und nicht schon zu früh zu viel zu wollen, auch wenn ein Kind sehr talentiert ist. Da muss man auch ganz vorsichtig sein bei übermotivierten Eltern, die ihre Kinder mehr oder weniger zum Sport zwingen. Das kann gut gehen, meist tut es das aber nicht. Deswegen sollte man die Kinder unterstützen, wenn man merkt, dass das Kind nur den Sport macht, weil die Eltern es möchten.
Dann ist vor allem eine vielseitige allgemeine Grundausbildung wichtig. Also nicht alles nur auf Schwimmen, Rennradfahren und Laufen beschränken. Es gibt so viele Möglichkeiten, die Kids sportlich nach vorne zu bringen. Das reine Triathlontraining kommt noch früh genug und wenn von Anfang an Freude dabei ist, kommt auch der Erfolg. Mit dem Erfolg bleiben die meisten dann auch lange unserer schönen Sportart treu.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview ist Teil des Adventskalenders 2022. Mehr starke Frauen gibt es dort.
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