Para Triathlon ist eine der jüngsten Sportarten für Menschen mit Behinderung. In insgesamt sechs Klassen, je nach Art ihrer Behinderung, geht es auch für Parasportlerinnen und Parasportler darum, Schwimmen, Radfahren und Laufen bestmöglich zu kombinieren. In diversen Wettkampfformaten wird den Besonderheiten Rechnung getragen.

Am 4. März bietet die DTU ein Online-Seminar an, bei dem es um den Einstieg in den Para Triathlon geht. Die Veranstaltung richtet sich an Sportlerinnen und Sportler, aber auch an Trainerinnen und Trainer oder generell Interessierte. Von 18 bis 19.30 Uhr beantwortet unter anderem Tom Kosmehl, der DTU Bundestrainer Para Triathlon, Fragen. Darüber hinaus gibt es Informationen, wie insbesondere Kinder und Jugendliche mit Behinderung unterstützt werden können.

Eine Anmeldung ist per E-Mail unter neumair@brsnw.de  erforderlich.

© Text: DTU/Christine Waitz; [3.02.2021]; Bild: DTU

Mit vollkommen unterschiedlichen Zielen gingen bayerische Sportlerinnen und Sportler am Wochenende in ihre Rennen: Während Marlene Gomez-Islinger bei der ITU World Triathlon Series in Hamburg im Einzelrennen an den Start ging, machte sich eine Staffel aus Para-Sportlerinnen und Sportlern in Roth auf den Weg, einen besonderen Streckenrekord aufzustellen.

Platz 22 unter den besten Athletinnen der Welt

Voller Vorfreude ging Marlene Gomez-Islinger in das WM-Rennen. Auf die Nominierung hatte die 27-jährige zwar beständig hingearbeitet, fest damit gerechnet hatte sie jedoch nicht. Entsprechend lauteten ihre Ziele: „Das Beste aus jeder Situation rausholen und mich keinen Moment lang zurücknehmen.“ (Das gesamte Vorab-Interview lesen sie hier) Im Weltklasse-Feld erreichte die Athletin des DJK Weiden am Ende Platz 22 und war mehr als zufrieden: „Meine Schwimmleistung war wirklich gut, auf dem Rad konnte ich mehr Präsenz zeigen als je zuvor und dann konnte ich sogar die achtschnellste Laufzeit erzielen.“

An der Spitze des Damenrennens setzte sich Georgia Taylor-Brown (GBR, 54:16) vor Flora Duffy (BER, 54:25) und der Deutschen Laura Lindemann (54:39) durch. Das Rennen der Herren gewann Vincent Luis (FRA, 49:13) vor Vasco Vilaca (49:15) aus Portugal und Léo Bergere (FRA, 49:18). Schnellster Deutscher war Lasse Lührs auf Rang 12.

Bei der Mixed Team Relay WM, die am Sonntag statt fand, belegte die deutsche Mannschaft in der Besetzung Lisa Tertsch (Darmstadt), Jonas Schomburg (Langenhagen), Laura Lindemann (Potsdam) und Lasse Lührs (Alicante) Rang acht. Es siegte die Mannschaft aus Frankreich mit acht Sekunden Vorsprung vor dem Team aus den USA und 34 Sekunden Vorsprung vor Großbritannien.

Para-Staffel unter sieben Stunden

Schneller als Projektpate Andreas Dreitz zu sein, das war das große Ziel der Para-Staffel mit Christiane Reppe, Tim Kleinwächter und Peter Renner und Thomas Frühwirt (den Vorbericht lesen Sie hier). Ganz leise war im Vorfeld bereits die Ambition durchgeklungen, es sogar unter sieben Stunden zu schaffen. Dass am Ende dann eine 6:49 und damit ein neuer Staffel-Rekord auf der Strecke des Challenge Roth stehen würde, das hätte das Team nicht erwartet.

Volle Konzentration war nötig, um die Rekordzeit zu erreichen. Foto: Romina Siebentritt

58 Minuten schwamm Para-Schwimmerin Christiane Reppe im Rothsee. 4 Stunden und 12 Minuten benötigte das Renntandem mit Tim Kleinwächter und Peter Renner – und das im regulären Straßenverkehr mit aller Vorsicht. In einer Stunde und 38 Minuten absolvierte Handbiker Thomas Frühwirt den Marathon. „Auf der Radstrecke war es aufgrund des Verkehrs schon sehr stressig,“ sagt Tim Kleinwächter nach dem Rekord. „Umso stolzer sind wir auf die Leistung.“

Darüber hinaus sammelt die neue Rekord-Staffel auch spenden. Bisher sind fast 2.000 Euro für verschiedene Charity Projekte zusammengekommen. Auf der Spendenplattform kann das Team weiterhin unterstützt werden.

© Text: Christine Waitz; [8.9.2020]; Fotos: ITU/Petko Beier, Romina Siebentritt

Auch für Para-Sportler Tim Kleinwächter und seinen Rad-Partner Peter Renner galt es sich in diesem Jahr unerwartet auf neue Ziele einzustellen. Statt dem erhofften Kampf um die Paralymics-Qualifikation und weitere hochkarätige internationale Rennen haben sich die beiden gemeinsam mit weiteren SportkameradInnen nun ein Ziel ganz nah ausgesucht. Das Para-Trio möchte gemeinsam mit Steuermann Peter Renner als Staffel die Strecke des Challenge Roth in Rekordzeit überwinden. Am Ende soll eine Zeit knapp über sieben Stunden stehen.

Hochkarätige Besetzung

Dass das Ziel nicht aus der Luft gegriffen ist, macht die Besetzung der Staffel deutlich: Staffel-Schwimmerin Christiane Reppe konnte in dieser Disziplin bereis WM-Medaillen sammeln und war bei den Paralympics in London 2012 am Start. Seither hat sich die Athletin, die im Alter von fünf Jahren das rechte Bein aufgrund eines Nerventumors verlor, mehr auf das Radfahren und zuletzt auf Triathlon konzentriert. Dass sie die 3,8 Kilometer im Rothsee in einer Stunde überwinden kann, davon ist sie überzeugt.
Dann werden der fast blinde Radspezialist Tim Kleinwächter und sein Pilot Peter Renner auf dem Renntandem die Jagd übernehmen. 2018 legten Kleinwächter und Partner bereits eine Staffel-Radzeit von 4:07:35 Stunden vor. In diesem Jahr soll es eine neue Bestzeit werden.
Den Tag komplettieren wird der Österreicher Thomas Frühwirth. Auch der 39-jährige feierte seine größten Siege im Para-Radsport, ist jedoch ebenso im Triathlon erfolgreich und aktiv. Der querschnittsgelähmte Handbiker muss seine Bestzeit über den Marathon realisieren, um den Teamerfolg zu sichern.
Bleibt die Uhr bei unter 7:59:02 Stunden stehen, wäre das erste Ziel erreicht: Die Siegerzeit des Projektpaten Andreas Dreitz  zu schlagen. Eigentlich jedoch, soll es noch schneller werden.

Charity-Projekte im Gepäck

Die ehrgeizigen Athletinnen und Athleten nutzen das Projekt auch, um Spenden zu sammeln. Als Charity-Projekte haben sich die Vier einerseits die Stiftung „Deutschland schwimmt“, andererseits die lokale Initiative „Fürth drückt“ und ein Nachwuchsprojekt des Herrmann Radteam aus Baiersdorf, um Kinder und Jugendliche an den Radsport heranzuführen, ausgesucht. Auch hier hat sich das Team ein großes Ziel gesetzt und sammelt auf der Spendenplattform Better Place für den guten Zweck.

© Text: Christine Waitz; [1.9.2020]; Fotos: Tim Feuerlein

Am 11. Oktober finishte Maximilian Schwarzhuber den München Marathon. Für einen Großteil der über 4.200 Läufer dürfte der Marathonlauf im übertragenen Sinne ein Hürdenlauf aus Herausforderungen im Vorfeld und im Rennen selbst sein. Der 26-jährige musste aber besonders viele und sicherlich auch besonders hohe Hürden meistern. Denn vor gerade einmal zwei Jahren lief er seinen ersten Zehn-Kilometer-Lauf als Parasportler. Heute macht er Triathlon, genießt den Sport und berichtet bei Vorträgen und Seminaren seine außergewöhnliche Geschichte.

Dieser Weg begann für ihn schon im Alter von zwei Jahren. Nach einem Mittagsschlaf wachte er mit gelähmten Füßen auf. Es folgte eine lange und aufwändige Suche nach Ursachen und Genesungsmöglichkeiten – erfolglos. 2017 entschloss sich der Wolnzacher dann dazu, sich beide Unterschenkel amputieren zu lassen. Der 14. Februar ist für ihn seither ein ganz besonderes Datum. Seitdem nämlich, kann er sich unter anderem begeistert dem Sport widmen. Schon während der Reha hatte er begonnen zu laufen. Ohne spezielle Prothesen kämpfte er sich über die ersten Kilometer und nur wenige Monate später lief er besagten Zehn-Kilometer-Lauf.
Die neu gewonnene Freiheit lotet er mittlerweile in vollen Zügen aus: Radtouren über die Alpen gehören ebenso zu den selbstgesetzten Zielen, wie ein Triathlon.

Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Hallo Maximilian,

kurz vor dem Startschuss in das neue Jahr hat ein ehrgeiziger Mensch wie du bestimmt schon die neuen Ziele definiert. Verrätst du uns diese?

Worauf ihr euch aber sowas von verlassen könnt (lacht). Natürlich teile ich euch meine Ziele sehr gerne mit. Ich finde es wichtig, über seine gesetzten Ziele zu sprechen. Dann steigt der Druck, diese auch wirklich zu erreichen. Ich plane am Berlin Halbmarathon, am Triathlon Ingolstadt, am Beilngries Triathlon über die Olympische Distanz und am Berlin Marathon teilzunehmen. Außerdem stehen eine Alpenüberquerung mit dem Rennrad von München nach Venedig in 24 Stunden und das Durchschwimmen des Chiemsees über zehn Kilometer an. Ausserdem möchte ich 2020 mein Buch fertig schreiben und als Redner vor insgesamt 25.000 Menschen sprechen. Es gibt also ordentlich etwas zu tun.

Als Kind und als Jugendlicher konntest Du aufgrund der Lähmungen keinen Sport machen. Rollstuhl und Krücken gehörten zu deinem Alltag. Was bedeutet es heute für Dich, Dich schmerzfrei und uneingeschränkt bewegen zu können?

Das Gefühl kann ich nur mit tiefer Dankbarkeit beschreiben. Unfassbar, was ich heute machen kann und wie weit ich gekommen bin.
Noch vor drei Jahren erschien mir meine heutige Lebensqualität unerreichbar. Ein Grund für mich, diese Dankbarkeit jeden Tag aufzuschreiben. „Für was kann ich heute dankbar sein?“ Stell dir diese Frage jeden Tag, wenn du besser werden willst.

Maximilian Schwarzhuber

Maximilian Schwarzhuber; Foto: Marathon Photos

In deinen Seminaren und Vorträgen teilst Du Dein Wissen und Deine Erfahrungen mit den Menschen. Was ist Deine wichtigste Botschaft an die, die gerade eine schwierige Zeit – in welcher Hinsicht auch immer – durchmachen?

„Akzeptiere es oder ändere etwas. Aber hör mit dem Gejammer auf!“ – Nicht die Umstände bestimmen dein Leben, sondern die Antworten, die du darauf gibst. Es ist nicht eine Frage des Könnens. Es ist eine Frage des Wollens. Immer! Du möchtest aus deinen schlimmen Umständen ein Meisterwerk machen? Mit dem von mir entwickelten „Antwort-Prinzip“ wirst du es schaffen. Akzeptieren, verändern oder jammern. Du allein entscheidest. Was ist deine Antwort? Das oben erwähnte Buch wird sich genau von diesem „Antwort-Prinzip“ handeln.

In diesem Jahr hast Du gleich mehrere Meilensteine passiert. Du hast deinen ersten Marathon gefinisht und zuvor bereits die Herausforderung Triathlon gemeistert. Wie war es, das erste Mal drei Sportarten nonstop in einem Wettkampf zu bestreiten?

Ein Wechselbad der Gefühle. Auf der Schwimmstrecke habe ich einen ordentlichen Schlag ins Gesicht abbekommen. Als ich dann etwas benommen aus dem Wasser kam, bin ich gleich mal gestürzt. Aber kein Problem. Auf dem Fahrrad ging es mir deutlich besser. Ein befreiendes Gefühl, durch das Ingolstädter Hinterland zu rauschen. Beim Absteigen vom Rad, hat es mich dann gleich zum zweiten Mal ordentlich geschmissen. Dabei habe ich mir den Brustkorb geprellt. Das habe ich aber erst nach dem Wettkampf gespürt. Das Laufen fiel mir anfangs unerwartet leicht. Das hielt aber nicht lange an. Die letzten drei Kilometer musste ich mich ziemlich quälen.
Nach so vielen Hochs und Tiefs dann ins Ziel zu laufen, ist unbeschreiblich. Wirklich. Man muss es tatsächlich selbst erlebt haben. Ich würde es als einen Cocktail an Euphorie, Erleichterung, Dankbarkeit und Stolz beschreiben. Es ist schon lustig: Dein Körper ist völlig am Ende aber dein Geist erlebt wahre Höhenflüge. Sehr empfehlenswert kann ich nur sagen. Einfach selber ausprobieren. 😉

Viele Wege geht man nicht allein. Hast Du im Sport einen Verein, Trainingskameraden oder Begleiter gefunden?  

Tatsächlich trainiere ich am liebsten alleine. Schon allein deshalb, weil ich mein Training oft spontan an meinen beruflichen Alltag anpassen muss. Der Sport ist für mich eine tolle Möglichkeit um abzuschalten. Mir neue Ideen durch den Kopf gehen zu lassen. Ein fast meditativer Zustand, kann man sagen. Ich habe aber einen hervorragenden Trainer. „Mr. Triathlon“ – Gerhard Budy. Ein äußerst erfahrener Triathlet und mehrfacher Ironman. Von Anfang an hat mich Gerhard enorm unterstützt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Er schreibt mir meine Trainingspläne und beantwortet meine unzähligen Fragen. Ein Vollzeitjob für ihn. So viele Fragen wie ich immer habe. Unser gemeinsames Ziel: Meine Teilnahme am Ironman Hawaii 2021.

Vielen Dank für das Interview!

© Text: Christine Waitz; [11.12.2019] Fotos: Dominik Pfau/ Marathon Photo