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Bis ins belgische Menen mussten bayerische Sportler in diesem Jahr reisen, wenn sie um die EM-Titel im Aquathlon, Aquabike und auf der Triathlon-Mitteldistanz kämpfen wollten. Doch wie schon in den vergangenen Jahren lohnte sich der Aufwand. Besonders die Routiniers kamen erneut mit Medaillen nach Hause zurück. Gabriele Keck (CIS Amberg) bewies sich im Aquabike-Rennen und holte Gold, Oliver Rau, der zuletzt Doppel-Deutsche-Meister im Swim&Run wurde (wir berichteten), sicherte sich Silber. Christiane Göttner, die in diesem Jahr bereits Vize-Europameisterin auf der Kurzdistanz wurde (wir berichteten), war auf der Mitteldistanz dieses Mal sogar schnellste Sportlerin der AK 70.

Bayerische EM-Beteiligung

Mitteldistanz

1. Platz AK 70 Christiane Göttner (TuS Fürstenfeldbruck)
10. Platz AK 20 Marchelo Kunzelmann (TRISTAR Regensburg)
10. Platz AK 55 David Lembrich (TSV Bad Endorf)
5. Platz AK 35 Rita Steger (SSV Forchheim)
11. Platz AK 50 Antje Weinreich (RSC Kempten)

Aquabike

6. Platz AK 35 Christian Dürr (TV Ochsenfurt)
1. Platz AK 50 Gabi Keck (CIS Amberg)
2. Platz AK 50 Oliver Rau (SC 53 Landshut)
16. Platz AK 60 Andreas Seliger (MRRC München)
13. Platz AK 55 Carsten Wink (SSV Forchheim)

Aquathlon

7. Platz AK 50 Oliver Rau (SC 53 Landshut)

Foto: Simon Drexl

Über 3.000 Athletinnen und Athleten gingen am Sonntag, dem 2. Juli 2023 rund um die Frankfurter Skyline ins EM-Rennen über 3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren und 42,2 km Laufen. Viel Aufmerksamkeit lag auf dem Profirennen der Frauen, denn bei den Männern hatten die Profis bereits in Hamburg um die Titel gekämpft. Besonders aus bayerischer Sicht war jedoch das Männer-Altersklassen-Rennen verfolgenswert. Am Ende hatte nämlich der Augsburger Lukas Stahl die Nase ganz vorne und gewann. Auch Elias Schipperges von der TG 48 Schweinfurt zeigte sich stark und belegte als zweiter Deutscher den 5. Platz in der Gesamtwertung.

Elias Schipperges auf der Laufstrecke Ironman Frankfurt
Elias Schipperges auf der Laufstrecke Ironman Frankfurt – am Ende wurde er Fünfter

Nach starkem Schwimmen ging Elias Schipperges als Erster auf die Radstrecke. Einige Führungswechsel konnte der Athlet der TG 48 Schweinfurt kontern und kam so auch in der Spitzenposition zum zweiten Wechsel. Im abschließenden Marathon musste Schipperges dann vier starke Läufer an sich vorbeiziehen lassen. Darunter auch Lukas Stahl (Post SV Augsburg und TG Viktoria Augsburg), der sich mit einer starken Marathonzeit von 2:51:52 Stunden durchsetzte.

Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Hallo Lukas, wie fühlst Du Dich nur wenige Tage nach dem Ironman Frankfurt, der ja super gelaufen ist?

Die Muskeln sind noch relativ müde und leicht verkatert, aber ansonsten geht es mir sehr gut. Ich habe ein paar Tage gebraucht, um das ganze zu verarbeiten und den Erfolg erst im Laufe der Tage danach richtig realisiert.

Das Rennen fand bei den Männern ohne Profibeteiligung statt und Du konntest als Erster durch das Ziel laufen. Was ging dir auf den letzten Kilometern durch den Kopf?

Genau genommen habe ich mich bis zum Zieleinlauf komplett konzentriert. Schließlich kann bei der Langdistanz immer etwas passieren kann. Deshalb habe ich alle Gedanken, bis ich im Ziel war, erstmal komplett zur Seite geschoben.

Wie lief das Rennen insgesamt und hattest Du mit dem Erfolg gerechnet?

Grundsätzlich gab es, wie bei jeder Langdistanz, viele mentale Höhen und Tiefen. Mit meinem Schwimmen war ich sehr zufrieden. Ich war relativ weit vorne und konnte dennoch ein angenehmes Tempo schwimmen, ohne schon zu ermüden. Beim Radfahren bin ich in den ersten 90 Kilometern etwas zu aggressiv gefahren und musste dann auf der zweiten Hälfte das Tempo reduzieren, weil ich mit der Versorgung nicht mehr richtig hinterherkam. Das Laufen fühlte sich auf den ersten 20 Kilometern sehr locker an und ich war etwas überrascht, so schnell an die Spitze laufen zu können. Der zweite Halbmarathon war dann allerdings deutlich härter als gedacht, da ich konstant Druck machen musste, um meinen Vorsprung zu halten bzw. auszubauen.

Zu Beginn der Saison hatte ich mir zumindest die Top-Drei als Ziel gesetzt, wusste allerdings auch, dass es sehr hart werden würde. Im Altersklassenbereich kennt man nie alle Leute, die an den Start gehen, und es ist dementsprechend schwierig, das Starterfeld einzuschätzen.

Was macht für Dich die Langdistanz attraktiv?

Die Langdistanz ist einfach unglaublich ehrlich. Wenn man nicht richtig trainiert hat und nicht den Respekt vor der Distanz während des Wettkampfes behält, zahlt man sehr schnell die Rechnung und platzt einfach weg. Man kann gerade beim Marathon nicht auf gut Glück eine schnelle Zeit probieren, bei einem 5 km-Lauf kann das noch funktionieren. Außerdem gefällt mir der mentale Aspekt sehr gut: Derjenige, der es schafft, mental über seine Schmerzen und das Leiden am meisten hinauszugehen, ist meist sehr weit vorne im Rennen.

Schon als Jugendlicher warst Du sportlich aktiv und erfolgreich. Wo war das?

Bis 2020 habe ich Kanuslalom betrieben, was belastungstechnisch eine komplett andere Liga ist (Belastungszeit meist 90-120 Sekunden). Ich habe mit 21 Jahren erst relativ spät zum Triathlon gewechselt. 2021 war meine erste Triathlon-Saison. Der Post SV Augsburg war mein erster Verein, dem ich für den Triathlon beigetreten (2020) bin, um Schwimmzeiten zu bekommen, da in Augsburg die Schwimmbad-Situation leider etwas mager ist. Die TG Viktoria Augsburg trägt an meinen bisherigen Triathlon Erfolgen den größten Anteil. Seit Oktober 2021 trainiere ich dort und habe auch einen Laufcoach, mit dem ich ausschließlich das Laufen trainiere. Dadurch konnte ich von 2022 auf 2023 14 bis 16 Minuten im Marathon schneller werden.

Was sind Deine nächsten Ziele?

Meine nächsten Ziele in diesem Jahr sind erst einmal die 70.3 WM in Lahti und die Ironman WM in Nizza Ende August und Anfang September. Da wird es natürlich sehr hart vorne zu sein, aber ich werde mein Bestes geben und schauen, was machbar ist.

Fotos: Berit Schilling und sportograf

Langsam macht sich in unseren Breiten die Vorfreude auf die Saison bemerkbar. Währenddessen ist andernorts das Wettkampfgeschehen bereits in vollem Gange. Im italienischen Caorle, beispielsweise, fand am vergangenen Wochenende die Duathlon Europameisterschaft statt. Einige bayerische Athletinnen und Athlethen nahmen den Weg dorthin auf sich und waren zudem erfolgreich. Zwei Mal AK-Gold und zwei Mal Silber gab es auf der Kurzdistanz zu feiern.

Sendel und Joas auf der Kurzdistanz vorne

“Das Rennen verlief erstaunlich gut”, berichtet Tina Sendel (MaliCrew e.V.), die noch zwei Wochen vor dem Rennen eine corona-bedingte Pause einlegen musste. “Trotz eines schnellen Starts konnte ich das Tempo auf den zehn Kilometern gut halten. Auf meinem Rad fühle ich mich schon seit letztem Jahr so richtig wohl und ich konnte auf der flachen Strecke wirklich gut Gas geben. Es hat einfach Spaß gemacht. Die letzten fünf Kilometer Laufen waren dann wirklich sehr sehr hart. Nachdem ich im Rad einige Frauen eingesammelt hatte, musste ich beim zweiten Lauf sehen, dass ich nicht wieder eingeholt wurde. Am Ende musste ich sogar sprinten, um nicht von einer Britin überholt zu werden. Doch zum Glück hatte ich genügend Vorsprung!” Damit ging der Sieg an die Starterin der AK35.

Gabriele Heigl im Ziel

Vize-EM-Titel gingen ging an Gabriele Heigl (TV Planegg-Krailling, AK 65, 2:53:17) und Armin Reif (TV Zwiesel, AK 30, 1:58:51). Gabriele Heigl berichtet:”Für mich lief das Rennen sehr gut, ich habe mich fit und stark gefühlt. Ich konnte bereits beim ersten Laufpart einen kleinen Vorsprung gegenüber der späteren Drittplatzierten herauslaufen und dann auf dem Rad sogar noch ausbauen und sicher ins Ziel bringen.” Auf die Nachfrage, ob sie mit dem Erfolg gerechnet habe, meint sie:”Ich habe mir tatsächlich Hoffnungen auf einen Podestplatz gemacht, da beim Duathlon das Schwimmen als meine schwächste Disziplin durch Laufen als meine stärkste ersetzt ist! Im Vorfeld war ich leider längere Zeit krank, aber dann in der direkten Vorbereitung konnte ich auf Fuerteventura sehr gut mit dem Rennrad und das Laufen trainieren, so dass ich optimistisch ins Rennen ging. Meine nächsten Ziele sind die Bayerische Meisterschaft im Sprint Duathlon in Krailling Anfang Mai und dann natürlich die Triathlon Heim-WM in Hamburg im Juli. Dort möchte ich im Einzel-Sprint und im Supersprint Mixed Relay starten.”

Einen dritten Rang sicherte sich Benno Beckstein (LV run & bike Kelheim e.V., AK 50) in 2:06:13 Stunden. Sandra Morawitz (ASK München-Süd e.V., AK 45, 2:26:24) wurde Fünfte ihrer Altersklasse.

Weitere Platzierungen auf der Kurzdistanz:

  • 12. Platz: Johannes Seidenspinner (TSG Kleinostheim, AK 40)

Weitere Platzierungen im Sprint:

  • 6. Platz: Josef Schmid (run & bike Kelheim e.V., AK 70, 1:21:20)
  • 10. Platz: Albert Hinterstoisser (SC Anger, AK 50, 1:07:23)
  • Platz: Johannes Seidenspinner (TSG Kleinostheim, AK 40, 1:09:06)
  • 15. Platz: Stefan Riederle (Triathlon Günzburg, AK 60, 1:28:04)

Fotos: private Athletenbilder

Die Deutsche Triathlon Union nominierte in dieser Woche je fünf Athletinnen und Athleten für die Europameisterschaften im Triathlon auf der Olympischen Distanz, die im Rahmen der European Championships vom 11. bis 21. August in München stattfinden.

Neben Olympia-Starterin Anabel Knoll vertreten die deutschen Farben auch die Olympia-Achte und aktuelle Deutsche Meisterin auf der Sprintdistanz, Laura Lindemann, Lisa Tertsch, Annika Koch und Marlene Gomez-Göggel. Bei den Männern hoffen Lasse Lührs, Lasse Priester, Olympia-Starter Jonas Schomburg sowie Jannik Schaufler im Kampf um die Medaillen mitmischen zu können.

“Ich bin super happy, dass die Nominierung am Ende geklappt hat und freue mich wahnsinnig bei meinem Heimrennen an den Start zu gehen. Ich glaube die Stimmung vor Ort wird richtig cool und ich hoffe, dass auch einige bekannte Gesichter vor Ort sein werden!”, reagiert die Ingolstädterin, die in Nürnberg trainiert, auf die Nachricht.

Anabel Knoll bei den Olympischen Spielen in Tokyo

„Wir sind froh, dass wir nach einer leistungssportlichen Durststrecke nun bei unserem Heimspiel in München eine leistungsstarke Mannschaft entsenden können“, sagt DTU-Sportdirektor Jörg Bügner und fügt an: „Unsere Athletinnen und Athleten werden selbstbewusst an den Start gehen, denn sie haben in den vergangenen Wochen und Monaten starke Ergebnisse in Rennen gegen die Besten der Welt erzielt. Dies stimmt uns zuversichtlich für die Europameisterschaften und lässt uns auf starke Auftritte hoffen.“

Das Rennen der Frauen findet am Freitag, 12. August, um 17:15 Uhr statt. Die Männer sind einen Tag später um 16:00 Uhr dran. Am Sonntag, 14. August, folgt dann noch das Rennen im Mixed Relay (18:00 Uhr) mit zwei deutschen Athletinnen und zwei deutschen Athleten. Im Mixed Relay gewann Deutschland bei den vergangenen beiden Europameisterschaften jeweils die Silbermedaille.

Fotos: Carla Nagel, privat