Die Magie des flüchtigen Augenblicks: Quinn Gould und der „Wasserläufer“ von Dresden
Es gibt Momente im Sport, die so schnell vergehen, dass das bloße Auge sie kaum erfassen kann. Doch wenn das Licht perfekt fällt, die Kamera im richtigen Bruchteil einer Sekunde auslöst und ein Athlet über sich hinauswächst, entstehen faszinierende Bilder. Ein solches Bild ist „Der Wasserläufer“. Es zeigt den Triathleten Robert „Quinn“ Gould vom TV 1848 Erlangen während der Mixed Relay bei den Finals 2025 in Dresden. Das Foto wurde vor kurzem mit dem renommierten Sven-Simon-Preis als „Sportfoto des Jahres 2025“ ausgezeichnet.
Eine Auszeichnung mit Tradition und Strahlkraft
Der Sven-Simon-Preis wird jährlich von der „Welt am Sonntag“ verliehen und gilt als die wichtigste und mit 10.000 Euro am höchsten dotierte Auszeichnung für Sportfotografie in Deutschland. Benannt ist er nach dem Pseudonym des verstorbenen Axel Springer jr., der selbst ein leidenschaftlicher Fotograf war. Die Entscheidung trifft keine gewöhnliche Jury: Große Namen des deutschen Sports, darunter Legenden wie Bastian Schweinsteiger, Dirk Nowitzki, Franziska van Almsick und Katarina Witt, wählen das Bild aus, das das Wesen des Sports ihrer Meinung nach am eindrucksvollsten einfängt. In diesem Jahr fiel die Wahl auf das Werk des dpa-Fotografen Robert Michael.
Betrachtet man das Motiv „Wasserläufer“, scheint die Schwerkraft für einen Moment aufgehoben. Quinn Gould befindet sich mitten im Lauf in die Elbe. Doch die Perspektive und der exakte Zeitpunkt des Auslösens erzeugen eine faszinierende Illusion: Es wirkt nicht, als würde der Athlet ins Wasser eintauchen, sondern als würde er mit kraftvollen Schritten über die glitzernde Oberfläche des Flusses rennen. Das Wasser spritzt unter den Füßen auf, wie es sonst nur bei festem Untergrund zu erwarten wäre, was den Eindruck des „Laufes auf dem Wasser“ verstärkt. Die Lichtreflexionen auf der Wasseroberfläche wirken wie ein Teppich, der den Triathleten trägt. Das Bild lässt auch die Grenze zwischen Anstrengung und Leichtigkeit verschwimmen.
Von der Kunst zum Wettkampf: Die Finals 2025
Das magische Foto entstand am 31. Juli 2025 in Dresden. Die sächsische Landeshauptstadt bot an sich schon einen spektakulären Rahmen für die Deutschen Meisterschaften im Triathlon. Inmitten dieses hochkarätigen Feldes fanden sich auch Starter der Triathlon-Abteilung des TV 1848 Erlangen. Der Verein, der auch für seine jahrzehntelange ambitionierte Nachwuchsarbeit und seinen Teamgeist bekannt ist, schickte mit der Mixed-Relay-Staffel ein Quartett ins Rennen, das sich im Konzert der Großen behaupten wollte.
So gingen Giulia Göttler, Johannes Bader, Matylda Jozwiak und eben Quinn (Robert) Gould an den Start. Quinn Gould absolvierte seinen Einsatz als Schlussstarter in einer Gesamtzeit von 19:10 Minuten. Am Ende sicherte sich das Team des TV 1848 Erlangen mit einer Gesamtzeit von 1:20:39 Stunden den 10. Platz in der Gesamtwertung der Deutschen Meisterschaft Mixed Relay.
Länger als dieses Ergebnis bleibt nun sicher das Foto in Erinnerung. Wir haben den Sportler selbst dazu interviewt.
Quinn, das Foto von deinem Sprung in die Elbe ist nun das „Sportfoto des Jahres“. Wie fühlt es sich an, zu wissen, dass Sportikonen wie Dirk Nowitzki oder Bastian Schweinsteiger genau dieses Bild von dir als das beste des Jahres ausgewählt haben?
Ich fühle mich sehr geehrt, dass dieses tolle Bild als Sportfoto des Jahres ausgewählt wurde. Es ist natürlich etwas besonderes das Sportikonen dieses Bild so positiv bewerten und hoffentlich dem Triathlon eine größere Bühne gewähren. Der Fotograf hat hier meiner Meinung nach einen hervorragenden Moment erwischt und ich freue mich besonders das ich auf diesem Bild dargestellt bin.
Auf dem Bild sieht es so aus, als würdest du über das Wasser laufen. Kannst du dich noch an den Moment des Eintauchens in Dresden erinnern, oder warst du in diesem Augenblick rein im Tunnel des Wettkampfs?
Ich erinnere mich noch gut an diesem Moment. In den ersten Sekunden war ich wahnsinnig aufgeregt, da es mein Debüt auf so einer großen Bühne war. Aber ich wusste, was wir als Team geleistet hatten, und das hat mir Vertrauen gegeben. Die Vorfreude, das harte Training der letzten Wochen endlich auf die Strecke zu bringen, war einfach größer als die Nervosität. Wir hatten uns in der Mannschaft vorgenommen, trotz des Fokus den Moment auch zu genießen – und ich finde, dieses Gefühl fängt das Foto perfekt ein.
Die Mixed Relay ist ein extrem spannendes, aber auch emotionales Format. Wie hast du die Atmosphäre in Dresden und im Team während der Finals 2025 erlebt?
Eine Atmosphäre wie bei den Finals in Dresden habe ich bisher noch nie erlebt. Da es den ganzen Vormittag geregnet hatte, hatten wir anfangs die Sorge, vor leeren Rängen zu starten. Doch kurz vor dem Wettkampf kam die Sonne heraus und mit ihr auch die Menschenmassen an der Strecke. Besonders beim Radfahren am Terrassenufer wurde man von den Jubelschreien förmlich getragen. Auch die Stimmung auf der Brücke während der Laufstrecke war einfach unvergesslich. Es ist großartig zu sehen, dass der Triathlon im Rahmen der Finals ein so riesiges Publikum begeistert.
Ein solches Foto rückt dich plötzlich ins Rampenlicht. Welche sportlichen Ziele hast du dir für die kommende Saison gesetzt, um auch ohne „magische“ Fotografie wieder ganz vorne dabei zu sein?
Klar freue ich mich über das Bild, aber das Lob dafür gehört dem Fotografen – ich konzentriere mich lieber weiter auf mein Training. Die Motivation für die kommende Saison ist riesig. Gemeinsam mit meinem Team will ich in der zweiten Bundesliga oben mitmischen. Mein Hauptziel ist die Bundesliga, aber ich will bei so vielen Rennen wie möglich dabei sein, weil ich den Wettkampfmodus einfach liebe. Am Ende geht es mir darum, Erfahrung zu sammeln, Spaß zu haben und mich als Sportler weiterzuentwickeln.
Foto: private Aufnahme

private Aufnahme, frei
privat