35 Jahre Erlanger Triathlon: Ein Rennen, das Generationen verbindet

Es gibt wenige Wettkämpfe, die über Jahrzehnte hinweg den Triathlonsport einer Region prägen. Der Erlanger Triathlon gehört zweifellos dazu. Wenn am Sonntag rund 800 Athletinnen und Athleten am Main-Donau-Kanal an den Start gehen, feiert eine der traditionsreichsten Veranstaltungen Bayerns ihre 35. Auflage und blickt dabei auf eine Geschichte zurück, die weit mehr erzählt als sportliche Ergebnisse. Denn der Erlanger Triathlon ist nie nur ein Wettkampf gewesen. Er ist ein Stück Vereinsgeschichte, Treffpunkt der Triathlonfamilie und für viele Aktive seit Jahren ein fester Termin im Sommer.

Als 1985 der erste Erlanger Triathlon ausgetragen wurde, steckte der Sport in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Neun Athleten gingen damals an den Start. Geschwommen wurde noch im Röthelheimbad, die Wechselzone war denkbar einfach, besondere Räder, Riegel, Gels oder Aerodynamik spielten noch lange keine Rolle. Was am Ende des Tages blieb, war die Begeisterung für eine damals noch ungewöhnliche Sportart. Mit den Jahren entwickelte sich daraus eine Erfolgsgeschichte. Der Wettkampf wuchs kontinuierlich, die Triathlon-Abteilung des TV 1848 Erlangen entstand, Spitzenathleten fanden den Weg nach Mittelfranken und der Erlanger Triathlon etablierte sich als feste Größe im bayerischen Rennkalender. Heute sind die Startplätze regelmäßig früh vergeben und auch in diesem Jubiläumsjahr gibt es ein ausverkauftes Haus.

Ein Name, der untrennbar mit dem Rennen verbunden bleibt

Wer über 35 Jahre Erlanger Triathlon spricht, kommt an Heinz Rüger nicht vorbei. Über Jahrzehnte war er die prägende Persönlichkeit des Erlanger Triathlons. Als Gründer der Triathlon-Abteilung, Organisator und unermüdlicher Antreiber entwickelte er die Veranstaltung Schritt für Schritt weiter und machte Erlangen weit über Bayern hinaus zu einer bekannten Adresse im Triathlonsport. Zahlreiche erfolgreiche Athletinnen und Athleten gingen aus der Erlanger Triathlon-Blase hervor, darunter später auch internationale Spitzensportlerinnen wie Anne Haug oder Anja Beranek. Im April dieses Jahres verstarb Heinz Rüger. Das Programmheft widmet ihm deshalb eine eigene Seite und bezeichnet ihn als den „Vater des Erlanger Triathlons“ – ein Titel, der seine Bedeutung auf jeden Fall treffend beschreibt aber nicht annähernd alles ausdrücken kann, was er für den Triathlon geleistet hat.

Dass der Erlanger Triathlon auch nach 35 Jahren nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat, liegt vor allem an den Menschen, die heute hinter der Veranstaltung stehen. Unter der Leitung von Stefanie Guillon organisiert ein 25-köpfiges Kernteam den Wettkampf. Unterstützt werden sie von mehr als 300 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die dafür sorgen, dass am Renntag alles ineinandergreift – vom Schwimmstart bis zum letzten Finisher. Guillon beschreibt den Erlanger Triathlon als einen „Vereins-Triathlon – von Athleten für Athleten organisiert“. Dieser Gedanke zieht sich durch die gesamte Veranstaltung. Vieles wirkt professionell, ohne den Charakter eines Vereinsfestes verloren zu haben.

Sportler auf einer Wiese

Vorstart-Freude beim Erlanger Triathlon

Der Main-Donau-Kanal als Bühne

Der Wettkampf selbst ist längst unverwechselbar geworden. Geschwommen wird im Main-Donau-Kanal, anschließend führt die Radstrecke durch den Landkreis Erlangen-Höchstadt, ehe der Lauf entlang des Kanals zurück auf das Gelände des TV 1848 Erlangen führt. Mit der Rückkehr des Zieleinlaufs ins Stadion ist das Rennen in den vergangenen Jahren wieder kompakter geworden. Zuschauer erleben die Athletinnen und Athleten mehrfach auf der Laufstrecke, während sich im Zielbereich eine Mischung aus Wettkampfatmosphäre und Sommerfest entwickelt.

Dazu tragen auch die vielen kleinen Ideen bei, die den Erlanger Triathlon auszeichnen. Entlang der Strecke sorgen mehrere Stimmungsnester für Leben – vom Membacher Steg über die Samba-Band VINCIVI bis zur Moderation und den Cheerleadern im Stadion. Neu ist in diesem Jahr sogar eine eigens entworfene Erlanger Triathlon-Glocke, mit der Zuschauer den Athletinnen und Athleten zusätzlichen Rückenwind geben können.

Los geht es bereits am Samstag. Neben der Startunterlagenausgabe lädt der TV 1848 Erlangen zum lockeren „Get together“ mit Interviews, alkoholfreien Cocktails und der offiziellen Wettkampfbesprechung ein. Am Sonntag folgen dann die Rennen über zwei Distanzen Kurzdistanz (1,5 km Schwimmen, 43 km Radfahren und 10 km Laufen) und Mitteldistanz (2 km Schwimmen, 84 km Radfahren und 20 km Laufen). Beide Wettbewerbe werden auch als Staffel angeboten. Und wer nicht selbst startet, findet entlang der Strecke zahlreiche Zuschauerpunkte und im Zielbereich eine inzwischen deutlich gewachsene Triathlon-Messe mit Ausstellern, Verpflegung und viel Gelegenheit, den Wettkampftag gemeinsam ausklingen zu lassen.

Alles ein bisschen wie immer, also und doch immer etwas neu. Der Erlanger Triathlon hat Veränderungen im Sport erlebt, Generationen von Athletinnen und Athleten kommen und gehen sehen und sich dabei immer wieder weiterentwickelt, ohne seinen Charakter zu verlieren. Vielleicht liegt genau darin sein Erfolgsgeheimnis. Das Rennen ist groß geworden, aber nie unnahbar. Es lebt vom Engagement eines Vereins, von Menschen, die Verantwortung übernehmen, und von vielen Athletinnen und Athleten, die Jahr für Jahr gerne nach Erlangen zurückkehren.

Wir wünschen allen Beteiligten ein tolles Jubiläums-Event.

Foto: www.sportshot.de