Triple-Ultra-Weltmeisterin Lisa Helm: „Ich wusste, dass ich das schaffen werde.“
41 Stunden, 34 Minuten und 40 Sekunden. So lange war Lisa Helm bei der Triple-Ultra-Triathlon-Weltmeisterschaft in Bad Radkersburg unterwegs. Nach 11,4 Kilometern Schwimmen, 540,6 Kilometern auf dem Rad und 126 Kilometern Laufen stand fest: Helm ist Weltmeisterin. Ein Jahr zuvor hatte sie bereits den WM-Titel über die Double-Distanz gewonnen. Von der zweifachen zur dreifachen Langdistanz – kaum jemand kann sich überhaupt vorstellen, wie das klappen mag. Denn was hinter einem Wettkampf über mehr als 40 Stunden steckt, lässt sich an Ergebnislisten sicher nicht ablesen. Deshalb haben wir mit Lisa Helm und auch mit einer ihrer Betreuerinnen gesprochen.
Hallo Lisa,
Du bist 2025 Weltmeisterin über die Double-Distanz geworden und hast jetzt auf Triple erhöht. Was hat dich zu diesem nächsten Schritt gebracht?
Ich denke, jeder Sportler kennt diese Momente, an denen man sich und seine Entscheidungen hinterfragt. Weshalb tue ich mir das an und was mache ich hier eigentlich … Aber das gehört auch irgendwie mit zum Sport. Natürlich ist der mentale Kampf bei einem Triple-Ultra-Triathlon ein ganz neuer, da man noch mehr Zeit hat, über alles nachzudenken. Vor allem die beiden Nächte durchzustehen, war hart. Aber ich wusste, dass mein Team am Beckenrand sowie nach jeder Rad- und Laufrunde auf mich wartet und mich unterstützt. Das hilft sehr.
Gab es einen Moment, an dem du gedacht hast: Das wird heute nichts – oder warst du bis zum Ende davon überzeugt, dass du durchkommst?
An ein Aufgeben habe ich tatsächlich nie gedacht. Ich wusste, dass ich das schaffen werde.
Wenn du heute auf die 41:34 Stunden zurückblickst: Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?
Da muss ich echt lange nachdenken. Ich hatte ein eingespieltes Supporterteam dabei. Auch logistisch hatten wir alles dabei, was man so braucht. Zusammengefasst in etwa die Ausrüstung für eine Woche Campingurlaub. Auf den Wettkampf selbst bezogen würde ich nichts anders machen. Man kann vieles planen, aber bei solchen Distanzen kann einiges passieren. Deshalb plane ich so etwas wie Pausen oder Verpflegung nicht vorher, sondern höre auf meinen Körper.
Du hast jetzt zwei Jahre hintereinander einen Weltmeistertitel über Ultra-Distanzen gewonnen. Was reizt dich an diesen extrem langen Rennen?
Ja, wenn mir vor drei Jahren jemand erzählt hätte, dass ich diese beiden Titel jetzt tragen würde, hätte ich diese Person für verrückt erklärt. Jetzt, als Ultra-Triathletin, wird man selbst öfter mal als solche bezeichnet. Aber so verrückt ist dieser Sport gar nicht. Die Athleten sind unfassbar freundlich, motivierend und die entspanntesten Menschen, die man sich vorstellen kann. Es ist eine tolle Community, in der man sich sofort willkommen fühlt. Jeder unterstützt hier jeden. Es macht einfach Spaß, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein und sich zusammen durch eine solche Distanz zu kämpfen.
Welche Rolle spielt das Team bei einem solchen Wettkampf? Was musst du als Athletin selbst im Griff haben und was gibst du bewusst an die Betreuer ab?
Das Supporterteam ist definitiv nicht wegzudenken. Ich hatte das riesige Glück, dass mich gleich zwei meiner engsten Freundinnen und mein Partner begleitet haben. Es hilft, vor allem in den schwierigen Phasen des Rennens zu wissen, dass jemand für dich da ist. Immer mit Getränken, Snacks und motivierenden Worten. Die Einteilung, also wann wer an der Strecke steht, habe ich meinem Team überlassen. Die Vorbereitung von Verpflegung und Material habe ich selbst übernommen. Für jede Disziplin habe ich Kisten und Taschen gepackt und beschriftet, sodass alles bei Bedarf schnell von außen gefunden werden kann.
In dem Moment, in dem Lisa Helm über die Ziellinie läuft, haben bei solch einem Projekt stets mehr Menschen als „nur“ die Sportlerin gewonnen. Denn ohne ein zuverlässiges und fürsorgliches Team im Hintergrund geht es nicht. Dieses Mal war auch Alexandra Ittner mit dabei. Sie sorgte dafür, dass die Athletin stets gut versorgt und motiviert war und alles reibungslos klappte. Auch sie haben wir gefragt. Warum macht man so etwas eigentlich?

Hallo Alex,
Wie bereitet man ein Team auf einen Wettkampf vor, der mehr als 40 Stunden dauert?
Ganz wichtig war die Vorbereitung vorab. Wir konnten uns zu 100 Prozent darauf verlassen, dass Lisa wirklich an alles gedacht hatte und nicht nur für sich, sondern auch für ihr Versorgerteam alles vorbereitet hatte. Egal, ob Camper zum Übernachten, Pavillons gegen Sonne und Regen oder Verpflegung. Natürlich haben wir uns selbst auch noch mal einen Einkaufszettel geschrieben und vor Ort noch Essen und Getränke gekauft. Während eines so langen Wettkampfs muss man sich neben dem Athleten auch um sich selbst kümmern und darauf achten, ausreichend zu essen und zu trinken. Nur dann kann man auch für seine Sportlerin ein guter Supporter sein.
Woran merkt ihr als Betreuer, dass es Lisa gerade gut oder schlecht geht?
Bei Lisa ist es zum Glück relativ leicht zu erkennen, wie sie gerade drauf ist. Wenn die Gespräche immer kürzer werden, wissen wir meist schon, dass sie gerade mehr zu kämpfen hat. Solange sie noch scherzt, erzählt und mit uns kommuniziert, ist das oft ein gutes Zeichen.
Was sehen die Zuschauer bei einem Triple-Ultra-Triathlon eigentlich nicht?
Die langen Nächte, die intensive Vorbereitung im Hintergrund, die vielen kleinen organisatorischen Aufgaben und natürlich auch die Kosten, die mit so einem Event verbunden sind. Es ist schade, dass ein solches Event ein Nischendasein hat und die meisten Starter spätestens zwei Tage nach einer so großartigen Leistung wieder in ihre 40-Stunden-Jobs zurückkehren, als wäre nichts gewesen.
Was war dein Highlight?
Definitiv die besondere Community innerhalb des Events. Wenn man als Supporter ein ganzes Wochenende miteinander verbringt, lernt man sich schnell besser kennen. Egal, ob Athleten und Teams aus Polen, Kroatien, England, Deutschland oder Österreich kommen: Nach der ersten Nacht kennt man die meisten beim Namen, weiß, wer die besten Snacks dabeihat und wer die kreativsten Motivationstechniken nutzt.
Außerdem wurde ich überrascht. Als Lisa mich gefragt hat, ob ich sie supporten möchte, war ich zunächst skeptisch. Für mich klang das Ganze nach einem verrückten, überzogenen und fast schon unverantwortlichen Event. Nach diesem Wochenende musste ich meine Vorurteile jedoch komplett revidieren. Alle Athleten wussten genau, worauf sie sich einlassen, kannten ihre Grenzen und hatten ein beeindruckendes Gespür dafür, wozu ihr Körper in der Lage ist. Tatsächlich habe ich nach einem Stadtmarathon oder einer klassischen Langdistanz schon deutlich mehr erschöpfte und herumstolpernde Sportler gesehen als nach diesem Event in Bad Radkersburg.

private Aufnahme, frei
DTU / Petko Beier