Josefine Doseth: „Man muss auch mal Dinge wagen“

Für Josefine Doseth geht es bei den Youth Olympic Games in Dakar auf die bislang größte internationale Bühne ihrer Karriere. Die 17-Jährige vom SV Würzburg 05 wurde vom Deutschen Olympischen Sportbund nominiert. Vom 31. Oktober bis zum 13. November kommen dort rund 1.000 junge Athletinnen und Athleten aus aller Welt in 17 Sportarten zusammen. Doseth startet als einzige deutsche Triathletin bei den Spielen.

Bereits als Schülerin sammelte sie beim BTV Memmert Nachwuchscup erste Erfolge und entwickelte sich kontinuierlich weiter. 2025 folgte ihr erster internationaler Start: Bei der Jugend-EM in Kitzbühel wurde sie 21. im Einzel und Zehnte mit der Mixed-Relay-Staffel. Das bisher erfolgreichste Jahr war 2026. Nach einem Auftaktsieg beim BTV-Cup in Würzburg zeigte Doseth auch im DTU Jugendcup starke Rennen. Nach den Stationen in Halle, Forst, Lübeck und Jena gewann sie gemeinsam mit Matylda Jozwiak punktgleich die Gesamtwertung der Jugend A. Drei der vier Podestplätze gingen damit an bayerische Athletinnen. Mit Platz sechs bei der Deutschen Meisterschaft in Jena erfüllte Doseth schließlich die Nominierungskriterien der DTU.

Hallo Josefine,
Wenn du auf deine ersten Jahre im Triathlon zurückblickst: Wann wurde dir klar, dass aus deinem Hobby Leistungssport werden könnte?

Einen ganz bestimmten Moment gab es nicht. Ich habe aber schon früh gemerkt, dass ich ehrgeizig bin und immer besser werden möchte. Mit der Zeit kamen im Triathlon die ersten Erfolge dazu. Spätestens mit meinem Wechsel an den Bundesstützpunkt nach Nürnberg wurde mir klar: Das ist etwas, das ich langfristig machen möchte. Ich habe irgendwann auch meinen Alltag immer stärker nach dem Sport ausgerichtet. Da wusste ich, dass Triathlon für mich nicht mehr nur ein Hobby ist.

2025 bist du bei der Jugend-EM in Kitzbühel erstmals international gestartet. Was hast du aus dem Rennen und der gesamten Erfahrung mitgenommen?

Kitzbühel war mein erster internationaler Wettkampf, deshalb war ich vorher sehr aufgeregt. Es war eine große Überraschung und Ehre, dort starten zu dürfen. Meine Saison hatte nicht besonders gut begonnen: Nach dem Rennen in Halle hatte ich beim Training einen Radunfall und wusste zunächst nicht, ob die Saison noch gut werden kann. Umso schöner war es, dass ich mich mit meiner Leistung in Halle für die Jugend-EM qualifizieren konnte.

Im Halbfinale bin ich gut geschwommen, kam hinter der ersten Radgruppe aus dem Wasser und konnte die Lücke in der Abfahrt schließen. Am Ende wurde ich Achte. Das Finale fand ebenfalls im Regen statt und war vor allem auf dem Rad anspruchsvoll. Ich habe das gut gemeistert und wurde 21. Dort habe ich gelernt, mit einer ganz neuen Art von Aufregung und einem größeren internationalen Umfeld umzugehen. Zum ersten Mal sieht man die Starterinnen aus anderen Ländern und kann sich mit ihnen vergleichen. Ich konnte viel Erfahrung für meine kommenden Rennen mitnehmen.

2026 ist deine bislang erfolgreichste Saison. Was hat in diesem Jahr besonders gut funktioniert?

Ich glaube, entscheidend war, dass ich mich in allen drei Disziplinen verbessert habe. Über den Winter konnte ich konstant trainieren und war kaum krank. So habe ich mir eine sehr gute Grundlage aufgebaut. Auch der Wechsel an den Bundesstützpunkt nach Nürnberg hat mir sehr geholfen. Dort sind die Bedingungen, die Trainingsgruppe und das gesamte Umfeld richtig gut. Auch die Zusammenarbeit und Kommunikation mit meinen Trainern funktioniert wunderbar. Eine erfolgreiche Saison kommt aber nicht nur von mir allein – viele Menschen helfen dabei mit.

In Forst hast du nach einem schwierigen Schwimmen zunächst mit Carlotta Bülck in einer Ausreißergruppe gearbeitet, wurdest später eingeholt und musstest außerdem eine Zeitstrafe verkraften. Was nimmst du aus solchen Rennen mit?

Das schwierige Schwimmen war mental nicht ganz einfach. Ich hatte dann aber einen schnellen Wechsel und habe mit Carlotta versucht, mich von der Gruppe abzusetzen. Wir wollten beide gewinnen, und ein Vorsprung vor dem Laufen schadet natürlich nicht. Kurz vor Ende des Radteils wurden wir von der Verfolgergruppe eingeholt. Das war erst einmal ein blöder Moment. Ich habe versucht, mich neu zu fokussieren und mich auf das Laufen zu konzentrieren. Als dann noch die Zeitstrafe dazukam, wurde es natürlich schwieriger. Trotzdem wollte ich danach noch einmal alles geben. Manchmal reicht es am Ende einfach nicht.

Das Gefühl nach solchen Rennen ist bittersüß. Ich war stolz auf meine Leistung und darauf, dass ich mich getraut habe, mit Carlotta wegzufahren. Man muss sich erst einmal trauen, etwas zu riskieren. Ich finde es wichtig, neue Dinge auszuprobieren – auch wenn man nicht weiß, ob es funktioniert. Es klappt nicht immer alles so, wie man es sich wünscht, aber man sollte trotzdem etwas wagen.

Wie verlief der Weg zur Nominierung für die Youth Olympic Games – und wie hast du reagiert?

Vor der Deutschen Meisterschaft wusste ich, dass ich vor den anderen potenziellen Starterinnen sein musste, um das Ticket zu bekommen. Die DM in Jena war sehr heiß, und mit Hitze komme ich nicht besonders gut zurecht. Auch mein Schwimmen lief leider nicht so gut, sodass wir auf dem Rad alle in einer Gruppe waren. Ich wusste, dass ich schneller laufen musste als meine Konkurrentinnen.

Als mir das gelungen ist, war das ein richtig gutes Gefühl. Erst einmal fiel der ganze Druck ab, und ich habe mich riesig gefreut, das Ticket bekommen zu haben. Gerade weil Laufen bisher nicht unbedingt meine Stärke war, war das besonders schön. Danach habe ich versucht, mich möglichst schnell wieder aufs Training zu konzentrieren.

Was bedeutet es für dich, bei diesem Event starten zu dürfen, und was erhoffst du dir?

Es ist eine riesige Chance, hier für Deutschland an den Start zu gehen – und die einzige deutsche Athletin im Triathlon zu sein. Ich möchte vor allem viele neue Erfahrungen sammeln. Ich habe schon mit Athletinnen und Athleten aus verschiedenen Ländern gesprochen und Kontakte geknüpft. Es ist etwas Besonderes, Teil eines so großen Wettkampfs zu sein.

In meinem Rennen möchte ich zeigen, was ich kann. Gleichzeitig versuche ich, auch alles außerhalb des Wettkampfs zu genießen: so viele Athletinnen und Athleten aus anderen Ländern zu treffen und einen kleinen Perspektivenwechsel zu bekommen.

Wir wünschen Josefine viel Erfolg und ein tolles Erlebnis in Dakar!

Fotos: BTV und DTU/ Winni Penno (Titelbild)