Roland Knoll erhält den Reinhold-Häußlein-Nachwuchstrainerpreis

In der Turnhalle ist ein bunter Parcours mit allem möglichem Material aufgebaut. Einiges davon gibt der Geräteraum her, vieles aber ist durchaus außergewöhnlich in der Turnhalle. Mittendrin steht Roland Knoll, der in aller Ruhe eine Gruppe von begeisterten Nachwuchsalthletinnen und Athleten durch die verschiedenen Aufgaben lotst. Der Ingolstädter hat den Überblick über den von außen durchaus lauten, bunten und manchmal wild anmutenden Betrieb. Ganz offensichtlich ist er voll in seinem Element. Für dieses und weit darüber hinausgehendes unermüdliches Engagement wurde er nun von der DTU mit dem Reinhold-Häußlein-Nachwuchstrainerpreis ausgezeichnet

Zurück in die Sporthalle: Die Staffel ist mittlerweile in vollem Gange. Die Kinder schlüpfen unter Hindnissen durch, springen über einige drüber, schlängeln sich durch den Slalom, absolvieren einen Zielwurf, sprinten zurück und haben vor allem eines: ganz viel Spaß. Die Einheit zeigt, wie Roland Knoll Nachwuchstraining am liebsten gestaltet: Kinder sollten zunächst viele Sportarten und Bewegungsformen kennenlernen, die stärkere Ausrichtung auf Triathlon könne später wachsen. Für Knoll zählt, dass der Nachwuchs Freude am Training und am Wettkampf entwickelt.

Roland Knoll (rechts)

Vom Spitzensportler zum Spitzentrainer

1985 stand Roland Knoll in Eichstätt zum ersten Mal selbst an der Startlinie eines Triathlons. Sein Wasserballtrainer und ein befreundeter Schwimmer hatten ihn dazu ermuntert. Über 1000 Meter schwamm Knoll eine Minute Vorsprung voraus. Dann holte ihn die ungewohnte Wechselzone ein, auf dem Rad zogen viele vorbei, beim Laufen machte er hingegen wieder Plätze gut. Dem Triathlon blieb er seit diesem Tag treu und arbeitete sich in den 1990er-Jahren zur deutschen Spitze vor, feierte zahlreiche nationale und internationale Erfolge.

Anfang der 2000er -Jahre beendete Knoll seine aktive Karriere und wechselte in die Trainerposition. Zunächst begleitete er die bayerischen Nachwuchs-Talente im Kader. Als DTU-Nachwuchs- und U23-Bundestrainer arbeitete er ab 2004 am Olympiastützpunkt Saarbrücken mit Jugend-, Junioren- und U23-Athletinnen und -Athleten. Von 2009 bis 2012 betreute er die Elite des Verbands.

Knolls wohl bekanntester Schützling war Jan Frodeno. Die beiden arbeiteten von 2007 bis 2013 zusammen. Knoll setzte seine Arbeit derweil auch dort fort, wo sportliche Karrieren beginnen: in den Nachwuchsstrukturen Bayerns. Er baute maßgeblich den heutigen Bundesstützpunkt in Nürnberg mit auf.

Mann mit Hut neben Frau mit Klemmbret in der Hand

Roland und Teresa Knoll

Seit Oktober 2024 betreut Roland Knoll wieder die Sichtungsgruppe des Bayerischen Triathlon-Verbands. Dort geht es darum junge Talente zu begleiten und auch Vereine sowie deren Trainerinen und Trainer in der Nachwuchsarbeit zu stärken. Damit konzentriert er sich heute wieder auf eine Frage, die seine gesamte Laufbahn durchzieht: Wie erkennt man Potenzial, ohne junge Menschen zu früh auf einen einzigen Weg festzulegen?

Bemerkenswert ist auch, dass er mit seinem Engagement viel mehr schafft, als Talente in die Sport-Spitze zu bekommen. Bemerkenswert viele der Athletinnen und Athleten, die mit ihm arbeiten durften, finden sich heute selbst in den Verbands- und Trainerstrukturen. Sie arbeiten als Trainerinnen und Trainer, im Jugendbereich, in der Verwaltung, in der Presse. Nicht nur soprtliche Begabungen weiß Roland Knoll zu fördern. Die Ehrung mit dem Reinhold-Häußlein-Nachwuchstrainerpreis würdigt deshalb auch jene Arbeit, die meist keine Schlagzeilen macht: Menschen sehen, ihnen Entwicklung zutrauen und ihnen den Raum geben, ihren eigenen Weg im Sport und darüber hinaus zu finden.

Fotos: BTV/ The Group Movement