Tölzer Triathlon: Traditionsrennen mit Voralpenpanorama
Wer an einem Frühsommertag am Kirchsee bei Sachsenkam steht, versteht schnell, warum der Tölzer Triathlon seit Jahren zu den besonderen Veranstaltungen im bayerischen Rennkalender zählt. Normalerweise liegt der See ruhig inmitten des Naturschutzgebiets, die Voralpen zeichnen sich am Horizont ab, doch einmal im Jahr herrscht dort geschäftiges Triathlon-Treiben. In diesem Jahr feiert der Tölzer Triathlon sein 35-jähriges Jubiläum – Zeit für ein Porträt!
Aus einer kleinen Triathlon-Abteilung entstand eine Erfolgsgeschichte
Die Wurzeln des Tölzer Triathlons sind eng verbunden mit der Entwicklung des Triathlonsports in Bad Tölz. Der Wassersportverein Bad Tölz wurde bereits 1953 gegründet und war zunächst ausschließlich dem Schwimmsport gewidmet. Erst 1985 kam mit der Gründung der Triathlon-Abteilung eine zweite Sparte hinzu. Zu dieser Zeit galt Triathlon in Deutschland noch als vergleichsweise junge Sportart.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Abteilung kontinuierlich weiter. Aus einer kleinen Gruppe begeisterter Ausdauersportler entstand eine lebendige Triathlon-Gemeinschaft, die nicht nur Ligamannschaften hervorbrachte, sondern mit dem Tölzer Triathlon auch eine Veranstaltung schuf, die heute über die Region hinaus bekannt ist. Besonders bemerkenswert: Während mancherorts Rennen von professionellen Agenturen organisiert werden, gilt in Bad Tölz bis heute das Motto „Von Triathleten für Triathleten“. Genau dieser Gedanke prägt die Veranstaltung.
Der Kirchsee als perfekte Bühne
Was den Tölzer Triathlon von vielen anderen Rennen unterscheidet, ist seine Kulisse. Der Wettkampf beginnt am Kirchsee bei Sachsenkam, einem der schönsten Naturseen Oberbayerns. Das Schwimmen findet mitten im Naturschutzgebiet statt – eine Seltenheit im Triathlonsport und für viele Teilnehmer eines der Highlights des Rennens.
Von dort führt der Kurs hinaus ins Tölzer Voralpenland. Die Radstrecke bietet alles, was die Region auszeichnet: sanfte Anstiege, schnelle Passagen und ständig wechselnde Ausblicke auf Wiesen, Wälder und die Berge des Alpenvorlands.
Der abschließende Lauf führt am Stadtrand entlang ins Grüne, ehe die Athletinnen und Athleten schließlich das Ziel am Sportplatz des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums Bad Tölz erreichen.
Herzstück des Rennens ist die Olympische Distanz mit 1,5 Kilometern Schwimmen, knapp 40 Kilometern Radfahren und rund zehn Kilometern Laufen. Ergänzt wird das Angebot durch einen Volkstriathlon sowie Staffelwettbewerbe.
Gerade diese Mischung macht den Reiz der Veranstaltung aus. Ambitionierte Athleten nutzen die Olympische Distanz als sportliche Standortbestimmung, während Einsteiger auf der Volksdistanz erste Erfahrungen im Dreikampf sammeln können. Viele Triathletinnen und Triathleten aus Oberbayern erinnern sich noch heute daran, dass ihre ersten Wettkampfschritte genau hier stattgefunden haben.
Mehr als nur ein Wettkampf
Der Tölzer Triathlon ist längst zu einem sportlichen Aushängeschild der Region geworden. Er verbindet die landschaftlichen Reize des Oberlandes mit der Leidenschaft einer engagierten Triathlon-Abteilung und schafft damit etwas, das viele Veranstaltungen anstreben, aber nur wenige erreichen: Authentizität.
Und diese Authentizität findet sich vor allem in den vielen kleinen Geschichten aus 35 Jahren. Einmal, beispielsweise, wäre fast der Zieleinlauf schiefgegangen: Denn zehn Minuten, bevor der erste Athlet im Zielbereich eintreffen sollte, war plötzlich der Strom weg. Der aufblasbare Zielbogen sank in sich zusammen und lag quer über der Ziellinie. Fieberhaft wurde nach der Ursache und dem Sicherungskasten am Sportplatz gesucht. Wie sich herausstellte, war jedoch lediglich eine Kabeltrommel nicht komplett abgewickelt worden und löste dadurch den Schutzschalter aus. In letzter Sekunde konnte der Zielbogen wieder aufgeblasen werden, bevor der Gesamtsieger ins Ziel lief.
Noch etwas brenzliger, im wahrsten Sinne, war es einmal am Wettkampftag kurz nach sieben Uhr morgens. Der Feuerwehrkommandant ruft den Orgaleiter an: „An der Radstrecke brennt es“. Der Orgaleiter berichtet: „Ich bin sofort hingefahren und vor Ort sehe ich, dass ein Haus am Straßenrand kurz vor dem Zielbereich brennt. Feuerwehrschläuche liegen quer über die Fahrbahn inklusive Schaumteppich. Nach Klärung der Lage mit dem Kommandanten meint er, dass er versucht die Straße bis zum Eintreffen des ersten Radlers wieder freizuräumen. Das hat dann tatsächlich auch geklappt und der Wettkampf konnte durchgeführt werden.“
Natürlich gibt es auch die amüsanten Geschichten: Zwei Teilnehmer hatten eine Wette verloren und wurden deshalb von ihren Freunden für ihren ersten Triathlon angemeldet. Dummerweise war am Vorabend eine große Party in Sachsenkam, die „Mexican Night“. Die Sporler in Spe waren bis in die frühen Morgenstunden auf der Party und gingen von da aus, noch nicht ganz nüchtern, direkt zum Start. Nach dem Schwimmen musste sich der erste den Vorabend nochmal durch den Kopf gehen lassen. Nach 15 Minuten in der Wechselzone war er endlich in der Lage auf das Rad zu steigen. Auf der Radstrecke wurde er dann noch von einem Radlerin mit Kinderanhänger überholt, die zufällig auf der Strecke war. „Als Schlußradler auf der Laufstrecke musste ich ihn permanent motivieren, wenigsten zu versuchen ein paar Meter zu laufen“, berichtet ein Helfer. Nach über drei Stunden auf der Sprintdistanz war er dann endlich im Ziel. Die beiden wurden nie wieder beim Triathlon gesehen.
Fotos: Stefan Wengenmayr

Stefan Wengenmayr einmalig

Martin Schönfelder, einmalig